479 – Deutsch

Ich lese gerade ein wenig im TV-Programm; mal schauen, was heute abend so angeboten wird. Und ich lese aus Versehen einen Titel: „Was ist deutsch?“ Der Untertitel lautet „Herz, Pass, Heimat“. Die Sendung ist wohl ein Palaver mit 5 Ausländern, die längst Deutsche geworden sind. Man wird aus diesen Leuten herausquetschen wollen, was sie unter Deutsch verstehen.

Dieser Programmpunkt hat mich getriggert. Ja, ich bin interessiert! Schliesslich geht es um meine nationale Identität. Generell bin ich so gestrickt, dass ich sehr leicht zu starten bin, aber nur schwer zu stoppen. Mit dieser Macke habe ich schon ganze Kompanien Menschen an den Rand der Verzweiflung getrieben, und dabei bin ich absolut gewissenlos. Ich will ein Ergebnis. Auch wenn sich Bockmist ankündigt, will ich das Resultat irgendeiner Handlung auf dem Tisch sehen, und ich nenne das grosspurig „zielorientiert sein“. Andere nennen das stur sein, direkt sein, deutsch sein.

Gewiss kann man das Deutsche im Mann theaterreif gestalten. Der Küchenchef einer Kantine hat dafür ein recht amüsantes Beisiel geliefert. Er füllte so um die 25 Liter Tomatensuppe in einen fahrbaren Edelstahltrog, gedacht als Erleichterung bei der Versorgung der Essensausgabe. Nie mehr Kübel tragen! Nach dem Umfüllen wollte er losfahren, und die Karre blockierte. Aha. Räder blockiert. Dafür ist diese Querstange. Er zieht daran, und der Wagen bewegte sich ….. nicht. Statt dessen laufen jetzt am Boden 7 Liter Tomatensuppe aus, und auf den Fussboden. Als er bemerkte, dass er nun in seiner Suppe stand, schob er die Ventilsperre nach unten. Der Materialfluss war gestoppt, aber die Karre blockiert. Nun kam seine Suppenmamsell hinzu. Ihr Gesicht verströmte abgrundtiefe Traurigkeit. Sie sagte nur: Die Radsperre ist der Hebel an der rechten Seite! Der Chef trat zum Wagen hin, schaute nach und meuterte: Rechts ist nichts, ein Hebel ist links!“ Die Suppenköchin wurde laut: Wenn Du Dich auf die richtige Seite stellst, das ist die, von wo aus Du die Suppe abgelassen hast und wo die Griffe zum Schieben sind, dann siehst Du den Hebel rechts! Der Chef schwieg. Neues Kommando: Gustav, nun mach mal die Fliege! Ich mache die Sauerei weg und bringe dann den Wagen nach vorne. Hopp, hopp! Gustav trollte sich, die „Suppe“ löste die Radbremsen und schob den Wagen zur Seite. Griff sich ein Kehrblech und eine Gummilippe, nahm die Verlustmenge auf und kippte sie in einen Eimer. Murmelte, es seien wirklich 7 Liter, das wären 28% der gekochten Menge, also viel zu viel, und sie tat, was in allen Küchen üblich ist. Durch ein Haarsieb, und zurück in den Kübel! Mit einer glatten Suppe geht das problemlos.

Was zeigt uns diese Geschichte? Teamwork ist alles, Teamwork ist deutsch, typisch deutsch? Ha. Ha. Ha. Das traf zu, als in Haithabu noch die Wikinger wohnten. Die Suppenmamsell ist ohnerhin eine Slowakin! Und die Tomatensuppe war in Wirklickeit eine Spargelcremesuppe, aber mit Tomatenrot wird das Bild etwas bunter. Überdies ist die ganze Geschichte nicht wahr. Reine Erfindung. Wahr ist, dass auf die geschilderte Weise in einem Gasthof das Gulasch gerettet werden musste, und es ging dabei nicht um 7 Liter, sondern um 80 Portionen für den örtlichen Schützenverein.
Was daran typisch deutsch ist? Na, der Schützenverein! Er ist Heimat und Herz der Niedersachsen!

%d Bloggern gefällt das: