476 – In-the-mood

Nennen wir diesen Tag, das Heute einen „Sonnabend“; mit Abendsonne hat er allerdings wenig, um nicht zu sagen garnichts zu tun.
Das Heute, der aktuelle Samstag also hängt vor meinem Fenster und droht mit Wetter. Ich bleibe gelassen. Denke angestrengt darüber nach, auf welche Weise ich zurückdrohen könnte.

Noch während ich suche, demonstriert man mir draussen: Es geht noch schlimmer!
Nun fallen kurze weisse Striche mit hoher Geschwindigkeit absolut senkrecht aus den Wolken. Ich denke so für mich, dass Schnee anders aussieht. Was da runter kommt, ist angefrorenes Wasser, das man wohl im eigenen Gefrierschrank fertigfrosten muss, sollte man Lust auf einen Schneeball entwickeln.

Schliesslich finde ich einen Weg, mich dieser geballten Nässe zu entziehen: Ich lasse die Jalousie runter. Und schon breitet sich eine wohltuende Atmosphäre in meinem Büro aus. Zugleich hatte W. bestimmt, dass nun der Winter beginnt, und diverse Türen zu nicht beheizten Räumen geschlossen. Die auf diese Weise konzentrierte Wärme tat ein Übriges, um mich ins Reich der Träume zu versetzen. So hielt mich die Bewusstlosigkeit für eine Stunde in ihren Klauen, und als ich erwachte, hatte draussen die Dunkelheit begonnen – und drinnen die Sportschau, eine Sendung, die ich liebe.
Warum dies? Es ist die einzige Sendung, die in mir so etwas weckt wie abgrundtiefe Langeweile. Man muss das Üble gut kennen, um das Gute richtig geniessen zu können, nicht wahr? Vorsicht! Fussball ist natürlich kein Übel – ausgenommen für mich. Dauert ein Spiel 90 Minuten, dann schlafe ich besonders gut ein. Wohl gemerkt: Sitzend, am Schreibtisch, und wenns sein muss auch mit einem Becher Kaffee in der Hand. Ich habe ausser meinem Kaffeebecher nichts im Griff, wenn ich müde bin.

Ich warte mal ab, wie es morgen sein wird. Kann sein, ich brauche eine Apfelschorle, um meine Stimmung aufzuhellen – wenn ich die Jalousie hochziehe und in einem Anfall von Übermut aus dem Fenster schaue. Und ich versichere Deutschland und der ganzen Welt: Ich will nicht Bundeskanzler sein! Also macht da draussen endlich das Licht wieder an! Ich bin nicht gefährlich!
Lasst Horus, den Gott des Lichts den Tag bestimmen! Und tretet Seth, den Gott der Dunkelheit mal so richtig in den Hintern, oder besser: Lasst das einen der Götterriesen erledigen! Sie haben die passenden Füsse!

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