467 – Koch

Ehrlich, wie ich nun mal bin, hatte ich anderswo angedeutet, dass ich nicht kochen kann. Und das bringt mich in Kalamitäten. Folgende Lage: Meine Essgewohnheiten und die von W., meiner Tochter also liegen meilenweit auseinander. Besser: Um einige tausend Kilometer. Sie asiatisch, ich europäisch. Das sieht dann so aus: Sie kocht eine Tom kha gai-Suppe, und dafür musste ein Huhn sterben. Ich rühre serbisches Reisfleisch zusammen, das hat ein Schwein das Leben gekostet. Noch anders:

Ich gucke in den Suppentopf, sehe Brühe in November-Farbe, das meint Grau, mit irgendwas drin, das aussieht wie das, was die Panda-Bären fressen, nämlich Bambus. Und wenn ich Bambus höre, assoziiere ich mit Bahnbus, jener Karre, die mich jahrelang zur Schule befördert hat. Anscheinend ein Kindheitstrauma, unbehandelt. So blöd sich das anhört. Diese graue Plörre im Topf stört mich eigentlich nicht; grau ist nicht unbedingt mit dem Grauen identisch.

Ich gucke jetzt in meine Reispfanne. Farbenfroh, Rot dominiert, Grün und Gelb zieren, es sieht aus wie es soll, aber dahinter lauert das Grauen! Reisfleisch essen und gleichzeitig Zeitung lesen geht nicht, da mir beim Futtern Flammen aus dem Mund schlagen – eine abgebrannte BILD ist zwar auch etwas Schönes, aber die Fotos sind halt auch hinüber! Ich packe es nicht, meinen bunten Reis ins Klo zu kippen; ich kann nicht die Population der Kanalratten dezimieren. Ist nicht mein Ding. Also esse ich das Zeug und leide. Was ist passiert? W. ist schuld. Ich fragte sie, wieviel von den Chiliflocken wohl angemessen seien, und sie sagte, sie wüsste das auch nicht. Dabei geht sie fast täglich mit den roten Flöckchen um; wie gesagt, sie mag es asiatisch. Wie auch immer, ich habe meinem serbischen Reis eine asiatische Note hinzugefügt, und dabei nicht gespart. Ist ja genug davon da! Vorsichtig in Stufen würzen mit viel Verkosten, das ist nichts für Typen wie mich.

Es ist so: Wenn ich eine toter Dorade vor mir liegen habe, so sehe ich sie in einem Salzmantel gegart auf meinem Teller. Also wird studiert, wie man einen Salzmantel baut, 5 kg Salz gekauft, und die Dorade eingepackt. Eine Stunde im Backofen, und raus mit dem Fisch! Ich zerschlage den Salzmanten, und ….. der Fisch ist verschwunden. Ich sitze dann sinnierend vor den Trümmern meiner Salzburg, und benötige mit Sicherheit 10 Minuten, bis es mir dämmert. Ich gehe zur Spüle – dort schwimmt meine Dorade Bauch oben, schön tot und sonst unversehrt. Alles klar, ich habe vergessen, den Fisch in das Salz zu packen. Kann passieren, dann ohne Salzmantel ab in die Pfanne!

Dieses Bild zeigt eines von zwei Grundübeln. Erstens vergesse ich beim Kochen immer, doch …..wirklich immer irgendwas. Mal ist es harmlos, mal schlimm. Merkwürdig, beim Essen vergesse ich nichts. Zweitens unterstzütze ich mich mit gedruckten Rezepten, es liegt immer Papier neben dem Herd. Aber ich lese nicht, oder nur flüchtig, und wenn ich mal versehentlich korrekt gearbeitet habe, schmeckt mir das Ergebnis nicht und ich beginne, was W. „Pfuschen“ nennt. Dann hocke ich auf meinem Rollator vor dem Herd und grüble, womit ich nun beginne, was ich dann „Würzen“ nenne. Nun bin ich ja völlig unbelastet durch Fachwissen. Ich weiss bis heute nicht, wie Koriander schmeckt. Aber ich bin mutig und erzeuge im Essen Aromen, die die Welt noch nicht erlebt hat. Dann sitze ich wieder vor dem Herd und überlege, wie ich diesen speziellen Geschmack wieder wegwürzen könnte, was manchmal gelingt, meist aber nicht, also habe ich zwei Stunden lang Zeug geschnippelt für die Mülltonne. Dann ist meine Motivation im Eimer, die Küche bleibt kalt, W. hat ihr Asiafood komplett aufgegessen, und ich zähle die Äpfel, weil 4 Stück mich auch sättigen.
Die wirklich bittere Phase: Der Abwasch. Ein Berg Geschirr, die Schranktüren, die Arbeitsflächen, Herd und evtl. Backofen, der Fussboden – alles wieder in einen Zustand versetzen, den man „picobello“ nennt, das ist, mit Verlaub gesagt „Merda!“, oder auch Merde (was ich unverfroren mit „Arbeit“ übersetze). Unlustig, das Ganze.

Natürlich habe ich das Essen von Lieferdiensten probiert. Hat mich an das Essen in Betriebskantinen erinnert – meine flammende Reismumpe ist mir dann doch lieber als eine Mahlzeit aus dem Dampfgarer einer Grossküche bei VW. Mein Reisfleisch macht warme Füsse!

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