461 – Reiten

Fast hätte ich es vergessen. Da ist ja noch die Sache mit Freddy offen. Er hatte es geschafft und war nun in der Lage, sich einen Gaul zu kaufen und das Tier auch so zu halten, wie es sich gehört.

Ich versuche, mich kurz zu halten. Man erzählt gerne Geschichten aus der Reithalle, somit auch zu Freddy’s Start.
Der kletterte links auf den Gaul, rutschte über den Sattel und fiel rechts runter.
Am Folgetag sass Freddy im Sattel, und der rutsche dem Gaul runter auf den Bauch, da zu locker befestigt. Freddy war wieder abgestürzt. Bei einem Stockmass von 150 cm tut ein Sturz schon ein wenig weh. Zuschauer waren begeistert.

Das Ross heisst „Simon“, wird aber in English ausgesprochen, also mit „Saimen“. Das Tier erwies sich als extrem geduldig. Freddy bestieg seinen Simon mehrere Male, fand sogar die Steigbügel, verletzte sich nicht am Sattelhorn, und wollte in der Halle Runden drehen. Simon wollte das nicht. Das Pferde machte 2 Schritte und erstarrte.
Freddy oben drauf ebenso. Man nennt das vielleicht „ein Reiterdenkmal“. Vier Versuche misslangen auf diese Weise. Freddy begann darüber nachzudenken, wo er einen Pferdeschlachter finden könne, wenn dieses verdammte Vieh nicht endlich zu laufen beginnt.

Vor Versuch Nr. 5 stellte sich Freddy vor seinen Gaul und redete auf das Tier ein mit Engelszungen. Dann streichelte er Simon über die Nüstern – und selbiger legte seinen Kopf auf Freddy’s Schulter. Der Reitersmann wischte sich zwei Tränchen aus den Augen und machte sich an den Aufstieg. Er weiss bis heute nicht, wie er auf das Pferd gekommen ist; plötzlich sass er korrekt oben und hatte die Zügel in der Hand. Simon trabte los und begann, seine Hallenrunden zu drehen. Simon beachtete jedes Kommando, und es herrschte ungewohnte Eintracht zwischen Pferd und Reiter.

Irgendwann liess Freddy sich aus dem Sattel gleiten und bedankte sich bei seinem Pferd angemessen. Simon kam ganz nahe an ihn heran und bekundete auf seine Weise Sympathie. Und Freddy? Ihn packte plötzlich eine Gefühlswelle von stattlichem Ausmass. Vermutlich begann er in diesem Moment, seinen Simon zu lieben.

Ein Stallbursche hatte die Szene beobachtet und brüllte nun quer durch die Reithalle „Jetzt hat’s geknallt!“

Stunden später weckte er Freddy, der bei seinem Pferd in der Box eingeschlafen war. „Fellpflege, Freddy!“ Und der griff gehorsam nach der neuen Bürste und stellte Simon auf seine vier Hufe.

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