430 – Weihnacht

(alter Text)

Früher war mehr Lametta!

Tja, letztes Jahr war der Weihnachtsbaum in meinem
Haushalt chancenlos. Erstmals in meinem Leben
machte ich einen erfolgversprechenden Versuch,
ein Kindheitstrauma zu bewältigen. Jenes Trauma
hat einen Namen: „Lametta“. Heute: Nie mehr ein „Baum“.
Auch keine Nordmann-Tanne!
Diese Stanniolstreifen sollten Engelshaar, also schön sein, und mussten zur Wiederverwendung wieder runter von der Fichte, glattgestrichen und sorgsam verpackt werden.
Und das mach mal mit 2 kg Lametta.
Wenn ich diesen Job in ein Gefängnis gebe,
um Mörder und Diebe zu peinigen, bekomme ich es
mit dem Europ. Gerichtshof für Menschenrechte zu tun.
Aber mich, mich hat keiner geschützt.
„Diese Arbeit gehört nun mal zu Weihnachten! Basta!“

Weisst Du, was es heisst, wenn Dir beim
Glattstreichen so ein Stanniolfaden zerreisst?
Der hängt dann nächstes Jahr nicht mehr,
sondern kann nur noch als 2 Halbe quer liegen!
Mein Vater spuckte Gift und Galle, bis er schliesslich
mitarbeitete – und jeden 4. Lamettafaden
immer in der Mitte zerriss. Endlich richtete er
seinen Zorn auf sich selbst, und ich war entlastet.
„Sammel die Drecksdinger ab und wirf sie in den Müll!
Nächstes Jahr kauf ich neu!“ Und das ging mir nun
wirklich flott von der Hand.
Aber ich konnte meine Klappe nicht halten.
Also sagte ich, er solle dann doch lieber einige Kugeln
kaufen, deren Reste könne er hinterher einfach
zusammenfegen.
Dies, fand er nun, sei respektloser Spott. Und ich Dödel hatte seinen Zorn wieder auf mich umgelenkt.
Das war genauso unerfreulich wie Mama’s Anisplätzchen, ein Mörder-Gebäck mit einem gefühlten saisonalen Gesamtgewicht von 40 kg. Ok, war gut gemeint.
Die Milchzähne von Bubi mussten halt irgendwann und irgendwie raus, also warum
nicht brachial, mit Hilfe von steinharten Anisplätzchen?

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