406 – Zukunft

Der Tod hat meine Wohnhöhle verlassen, und ich lebe nun allein.
Darum stelle ich mir manchmal die Frage nach meiner seelischen Vefassung.
Und antworte mir wie immer: Es geht mir gut.

Es folgt klischéehaft die Vermutung, dass das nicht sein kann und schon garnicht sein darf.
Schliesslich habe ich 56 Jahre mit einer Frau Tisch und Bett geteilt. Nun ist sie tot, und ich habe die Pflicht zu beachten, mich einsam zu fühlen, zu leiden oder was auch immer in einer solchen Situation angesagt ist.

Ergo befrage ich als nächstes mein Gewissen.
Es antwortet mir wie immer: Mach Dir nicht ins Hemd, Alter! Lass Dir mal etwas Neues einfallen!
Ich stelle wie so oft fest, dass auch dieser Weg nicht zum Erfolg führt. Positiv ist nun, dass ich nicht mehr weiss, wie ein Erfolg aussehen sollte.

Suche rasch mein Gedächtnis durch und finde dort tatsächlich, was ich suche.
Doch, es gibt in meinem Alltag Phasen, die den Verlust meiner Partnerin betreffen. Es sind Momente der Trauer, und sie schmerzen ein wenig.

Aber ich baue auf eine gute Zukunft.
Auch ich, ein Methusalem mit Handicaps darf das.
Die Zukunft beginnt eben jetzt, in dieser Minute.
Und es gibt vermutlich noch reichlich Luft nach vorne!

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