392 – Spiel

Einen Tropfen Glück möchte ich haben, oder ein Fass Verstand,
meinte Menander, einer der grossen griechischen Dichter (342 bis 291 v. Chr.).

Lebte dieser Mann in unserer Zeit, hätte er gewiss ein wenig anders formuliert:

Ein Fass Glück möchte ich haben.
Und einen Ozean voller Vernunft – für die anderen.
Dann reichte ein Tropfen Verstand für mich.

Glück ist eine positive Emotion von höchster Intensität, und eine Rarität. Deshalb wird Glück als wertvoll empfunden, und der Mensch strebt danach – ohne Erfolgsaussichten. So hat er sich „Ersatzwährungen“ geschaffen, wie Prestige, Geld usw. Seine geistig-moralische Reife entspricht der eines Neandertalers.

Trauer wird als ein negatives Gefühl empfunden, als das Gegenteil von Glück. Trauer ist ebenso selten, und wird – obwohl sie prägend sein kann – als Gefühl ohne eigenen Wert abgelehnt. Auch in diesem Unterfangen bleibt der Mensch erfolglos.

Es sind nicht Glück und Trauer, die des Menschen Leben bestimmen, sondern das Alltägliche. Es oszilliert in flachen Kurven um die Null-Linie. Dort, in dieser schmalen Zone liegt sein Spielraum zum Handeln.

Der Handlungsrahmen ist ständig zu revidieren, anzupassen. Seine Ränder bilden eine Grenze zwischen Klugheit und Narretei.

Narren sind immer gefährlich.
Auch sie können jederzeit Macht in die Hände bekommen.

Das Habenwollen der kleinen Kinder ist nervtötend, aber ehrlich. Der erwachsene Mensch ist verlogen, sucht es zu vertuschen, und praktiziert es dennoch ungeniert.

Der Mensch ist in den vergangenen zweieinhalb Jahrtausenden nicht in der Lage gewesen, sich vom Barbaren zu einem sozialen Wesen zu entwickeln.

Gleichwohl kann er innerhalb einer Stunde alles Leben auf unserem Planeten,
sich selbst eingeschlossen, auslöschen.
Er nennt dies Fortschritt.

Nichts, und niemand züchtet an dem Menschen herum – ausgenommen jene Kraft, die wir mit Evolution bezeichnen, oder mit den Lehren Charles Darwins umschreiben.

Der Mensch ist ein Produkt der Natur. Mag sein, er dominiert die Entwicklung des Planeten Erde in einer kurzen Phase. Unabänderlich bleibt er den strengen Naturgesetzen unterworfen. Und deren wichtigste Fortpflanzungsregel lautet:

Alles Recht den Starken!

Dies schliesst den brutalstmöglichen Egoismus ein.
Schlichte Gemüter glauben, daran kranke die Welt.
Realisten dagegen erkennen: Solange die rücksichtslose Verdrängung vorherrscht, ist die Welt kerngesund.

Und das Individuum? Es leidet. Man besuche einen Schlachthof und beobachte das Leid der Tiere.
Man besuche ein Schlachtfeld, und beobachte das Leid der Menschen.
Dann wende man sich um – und suche nach der Verantwortung.

Es ist ein überaus faszinierendes Spiel, in dem der Mensch zu seinem Schutz Werte und Normen entwickelt, um sie beliebig zur Durchsetzung seiner egoistischen Ziele einzusetzen und einzufordern.

Der moderne Global player ist nur ein Narr.
Seine vorherrschenden Wesensmerkmale sind
Egomanie und Selbstüberschätzung.

Der Mensch braucht keine Konzerne und Kartelle.
Der Narr braucht sie zur Selbstbefriedigung.

Und der Mensch neigt zur Kurzsichtigkeit. Darum erkennt er nicht, dass es nur einen einzigen Global player gibt, der über allem steht und eisern seine eigenen Regeln befolgt. Darum blühen in meinem Garten die Tulpen, während anderswo Menschen verrecken.

Der Mensch ist nicht böse. Er ist Spielfigur, und er wird nach Regeln eingesetzt, die er nicht verstehen kann, oder die er ablehnt. Er entwickelt das Bewusstsein, mitzuspielen – ein Selbstbetrug. Er muss stets seiner genetischen Veranlagung Folge leisten, ob er nun will oder nicht.

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