386 – Psyche

Think positive. Kürzer: Think! Diesen markanten Spruch hatte bekanntlich Jim Watson, der grosse alte IBM-Boss so über seinem Schreibtisch aufgehängt, dass seine Besucher ihn unvermeidlich zur Kenntnis nehmen mussten. Ein Wort, ein Programm. Setzt man „positive“ hinzu, könnte auf Jimmies Plakat auch „Laugh!“ stehen. Oder „Heute schon gelacht?“

Sag mal: Kann es eigentlich wahr sein, dass wir 60 Euro löhnen, nur um uns von einem Psychiater fragen zu lassen, ob wir heute schon gelacht haben? Und wenn ja, warum? Oder wenn nein, warum gerade eben?

· Herr Risch, warum lachen Sie?
· Ich lache über mich selbst!
· Darf ich wissen, Roland, was Sie an sich selbst so lustig finden?
· Nein, Klaus-Heinrich, nein, das dürfen Sie nicht!
· Aber Herr Risch, haben Sie kein Vertrauen zu mir?
· Doch, Herr Pümpel, das habe ich, aber nicht zu mir!
· Aber das sollten Sie mir jetzt doch erklären. Mögen Sie?
· Nein, Herr Pümpel, ich mag nicht.
· Gut, Herr Risch. Das ist schon einmal ein guter Anfang. Wir haben schon am ersten Tag einen Fortschritt zu verzeichnen! Ganz, ganz grossartig!

RRRRRRing!
Klaus-Heinrich Pümpels Küchenwecker kündigt das Ende der ersten Sitzung an, nur ganze vier Minuten zu früh, was bei 20 Minuten gleich 20 Prozent Fehlzeit ausmacht, was 12 Euro entspricht, die ich für nothing zahle, und ich beschliesse, noch ein wenig zu bleiben, werde aber Richtung Tür geschubst, denn draussen steht ein anderer Patient, für andere, neue 16 Minuten, und ich beschliesse spontan, diesen Menschen nicht zu befragen, ob er da drinnen schon mal gelacht hat; aber Jim Watson will mir nicht aus dem Sinn gehen mit seinem THINK! und ich mit meinem Konter „LAUGH!“, im kategorischen Imperativ voll durchformuliert, kurz, knapp – nur:

Verdammt nochmal! Ich habe bei Pümpel tatsächlich herzhaft abgelacht! Überleg mal. Der hat es geschafft. Und dafür soll er auch 60 Euro kassieren. Aber – das ist ab sofort beschlossen und Gesetz – nur diese ersten 60, und ab sofort werde ich kostenlos lachen. Ich denke an Pümpel, ich denke an mich, ich denke an den Höllenstuhl, der statt der berühmten Couch für die Patienten bereitsteht, und ich denke an 60 Euro – und schon geht es mir gut. Naja, sagen wir mal: Besser. Gut gehts mir erst, wenn ich ungepümpelt lache. Wenn ich die Nachrichten des Tages als Witz erlebe.
Wenn mich die Toten des Tages nur noch nachdenklich stimmen, aber nicht mehr wütend.
Wenn ich meinem Computer mitten auf die Festplatte schreiben kann: Wie, Du machst wieder Zicken? Hier hast Du meine Antwort. C:\format c: – und servus, Du Depp!
Und wenn ich einem Pümpel ins Gesicht grinsen kann mit der Bemerkung:

Bei mir können Sie lange picken,
bis Sie ans Hirn kommen!

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