374 – Sozialisiert?

Der Doktor kommt angerauscht und verkündet: „Herr Risch, heute gehts an nach Hause!“ Ich, nach zu vielen Wochen in Kliniken, freue mich wie Bolle. Irgendwann – die Uhr dreht sich halt unaufhaltsam – war meine Zeit um. Ich wechselte in ein anderes Universum.
Der ersten Freude folgte Verwunderung, dann Wiedererkennen: Oh!. Die gibt es ja auch noch, die Welt draussen. Nichts vom Sommer mitgekriegt, aber es wird sicher einen neuen geben, nächstes Jahr! Aber halt nicht für jeden ….. von uns ….. Scheiss Krebse!

Polemik:

Möchtest Du erfahren, welchen Wert ein Menschenleben hat? Dann sprich mit Todkranken über Leben, Krankheit und den Tod, höre genau zu, und achte auch auf das Ungesagte. Höre aber nie auf Leute, die ein „sozialverträgliches Ableben“ Kranker als Teil einer Reform des Gesundheitswesens empfehlen; ehrlich formuliert lautet ihre Botschaft nämlich:

Lasst sie sterben, das spart Geld!

Asoziales Verhalten ist weniger bei den Berbern auf der Platte zu entdecken, aber man findet es weitverbreitet in den Chef-Etagen. Auch bei der Bundesärztekammer. Dort ist anscheinend der Hippokratische Eid mit Absicht in einem Shredder gelandet und wurde zerbröselt.

Alles nicht wahr? Ich bin nur ein kleiner, dummer Patient? Einer von den Nörglern, die alles wissen, schlimmer, die verstehen wollen? Korrekt, Herr Professor. Das bin ich. Gott sei Dank.

Das Leben geht weiter! Ob man will oder nicht: Man muss die Gegenwart leben. Man soll die Gegenwart leben, und sie nicht mit Schatten der Vergangenheit belasten. Erfahrungen muss man dann zur Hand nehmen, wenn sie gebraucht werden. Keinesfalls darf man sie wie ein Plakat vor sich hertragen, denn sie versperren auch die Sicht auf das Schöne im Leben. Und man kann vorne auf das Plakat schreiben, was man will – hinter der Pappe herrscht immer Dunkelheit, und ein Prügel, ein Stück Dachlatte!

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