369 – Küche

Es war Küchendienst angesagt. So etwas tue ich freiwillig, denn angeordnet halte ich es nicht durch, 13 Töpfe und Schüsseln, unzähliges Kleingeschirr und 10 komplette Gedecke von etwas wieder zu befreien, was ich selbst gerne gegessen hätte (genauer: es war kein Pudding für mich übriggeblieben, darum bin ich verbittert). Die Gäste meiner Frau waren gut versorgt und hatten Spass, ich hatte Spülhände und lauerte darauf, dass wenigstens ein Schluck Wein für mich übrigbleibt. Oh bitte nein, das ist kein fishing for compliments, auch kein Selbstmitleid. Bitte keine Beileidsbekundungen, keine Kranzspenden.

Davon abgesehen: Es ist ein ganz normaler Job für einen gestandenen Kerl, eine Küche aufzuklaren, wenn die Gattin anderweitig verpflichtet ist, nicht wahr? Aber wie´s dort ausgesehen hat! Und immer das beste Geschirr. Immer ein Stossgebet vorneweg: Herr, mach dass nichts kaputtgeht … und ein Dankgebet hintendran: Herr, ich danke Dir, dass Du mitgeholfen hast, die Suppenterrine sauber in 4 Teile zu zerlegen! Nun ruf meinen Schutzengel, dann kannst Du wieder gehen und anderswo nicht drauf achten, dass keine Schäden entstehen!

Ab sofort halte ich mich an Bacchus! Der ist ein wenig irdischer als der ganze Rest da oben! Das Leben ist aber ganz schön hart für Zartbesaitete wie mich. Ich musste mir eine Flasche meines eigenen feinherben Rieslings klauen! Wäre das misslungen, dann wäre auch meine blaue Stunde in der finsteren Küche ins Spülwasser gefallen und der Tag in Disharmonie geendet.
Wer wach sein will, muss nun mal wach bleiben.

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