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Wenn ich dreimal hinfalle, liege ich hier im Gras, bleibe am Boden und greife mir einen Apfel. Wenn mich dann der Bauer erwischt, habe ich ziemlichen Zoff. Sollte ich dort herumliegen, ohne zu kauen, so kann der Bauer auch sagen. Bevor Du gehst, stopf Dir mal die Taschen voll!

So ist das im Alten Land bei Hamburg. Hier werden auf 10.500 Hektar Land rund 300.000 Tonnen Äpfel geerntet – jedes Jahr. In Kiew / Ukraine habe ich Äpfel aus dem Alten Land gekauft.

Auf weiteren 1100 Hektar stehen Kirschbäume. Der Rest aus dem Obstkorb ist Hobby.
Sonst wächst hier nichts, oder sagen wir mal nicht viel. Aber 10 km nach Süden, und Du stehst auf einem Kartoffelacker. Über die Elbe, in Dithmarschen wird Kohl geerntet, und Schwein gibts bei ALDI. Hungertod? Findet nicht statt.

Wenn man aber Kulinarisches sucht, um den Gaumen mal richtig zu verwöhnen, muss man nach Hamburg. Im Alten Land sind nur zwei Gerichte bemerkenswert:
Die Hochzeitssuppe, eine gebundene Suppe mit Wurzelgemüse, Klösschen, Eierstich und einem Berg bestes Rindfleisch, die so dick sein mussw, dass der Löffel drin stehen bleibt, delikat gewürzt mit Muskat und Ingwer.
Und Stint satt. Stint ist ein Salmonide, also ein Lachsfisch. Die wahren Riesen dieser Rasse messen so viel wie mein Mittelfinger der rechten Hand, sind aber nicht so rund, sondern schlank. Es gibt sie im Frühjahr, wenn sie in Schwärmen die Flussläufe hochwandern, um irgendwo oben zu laichen. Man fängt sie in Ufernähe mit Netz, lässt die kleinen, wie sie aus dem Wasser kommen, und nur die grossen werden ausgenommen. Nun wälzt man sie in Mehl und wirft sie in heisses Fett. Wenn sie schön goldgelb gebraten/frittiert sind, gibt man sie auf Teller und schiebt sie den Gästen hin.
Die fallen drüber her, und wenn der Teller leer ist, wird er wieder aufgefüllt. Das macht man so lange, bis der Teller wieder leer ist, und der Gast aufgefüllt. Natürlich hat man ihm zwischendurch reichlich Bier serviert, und man schliesst das Mahl ab mit einem ordentlichen Aquavit, oder ähnlichem.

Wie gesagt, den Rest der Kulinarik hier kann man getrost vergessen – ein einziger Hotelier hat noch eine attraktive Speisekarte. Wem es da zu teuer ist: Ich kenne eine Currywurstbude. Und Fahrradfahren ist angeblich gesünder als Schlemmern. Das Radnetz ist sehr ordentlich.

Was haben wir sonst noch? Schiffe gucken an der Elbe. Das Hauptfahrwasser steuerbords liegt ziemlich dicht beim Ufer. Wenn dann so ein 60.000-Tonner längs kommt, kann das schon beeindrucken.

Touristik-Werbung? Ich lächle müde. Während der Baumblüte geht man hier nur im Notfall vor die Tür und ins Dorf. So bleibt man unverletzt. Mein Futter kaufe ich dann online. Die Fenster bleiben geschlossen, denn Hornissen, Wespen und Bienen ergänzen das Feindbild, und auch sie kennen wie die Touristen keine Verkehrsregeln. Übrigens: Besonders agressiv sind Fahrradfahrer im Rudel. Für die Nutzung von Bikes und besonders von E-Bikes würde ich einen Waffenschein vorschreiben.

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