328 – Holz

Der Wald und seine Bäume – was wird nicht alles über ihn gesagt, geschrieben und gesungen! Man mystifiziert, glorifiziert, man klagt, leidet oder ist euphorisch, grad wie es so passt. Da kommt so ein Pragmatiker wie ich gerade recht. Praxis vor Theorie, Satire vor Poesie! Hier halten wir mal inne. Dieses Gedicht ist wirklich schön:

Unter Bäumen

Mein Baum –
leise spielt der Wind
in den Zweigen
flüstert mir zu
alte Geschichten
seltsame Erinnerungen
ich lege meine Hand
sachte auf die Rinde
unter meiner Haut
atmet er Zärtlichkeit

© Anke Maggauer-Kirsche (*1948), Lyrikerin

Aber da ist auch die Wirklichkeit. Man stelle einen Baum, einen Rehbock und einen Menschen auf einen Wiese. Was sehen wir dann? Nichts weiter als drei Lebenwesen. Eines so wertvoll wie das andere. Jedes Wesen lebt, hat seinen Stoffwechsel, seine Bedürfnisse usw. Alles wäre schön, gäbe es da nicht die Bestie, dieser Mensch. Er feuert auf den Rehbock und legt den Baum flach, um Brennmaterial zu haben, damit er den Rehbock gebraten bekommt. Bis dahin sieht das Szenarium nicht gut aus. Wenn der Mensch sich dann noch an seinem Rehbock totfrisst, wäre die Tragödie abgerundet und somit akzeptabel.

Das ist gewiss garstig geschrieben! Aber die gleiche Denkweise, Bäume betreffend, hat ein wahrlich Grosser gefälliger, aber hinreichend präzise formuliert:

„Habt Ehrfurcht vor dem Baum. Er ist ein einziges großes Wunder, und euren Vorfahren war er heilig. Die Feindschaft gegen den Baum ist ein Zeichen der Minderwertigkeit eines Volkes und von niedriger Gesinnung des einzelnen.“

So Alexander von Humboldt (1769 – 1859), Naturforscher

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