322 – Protest

Der Hamburger Jan-Claas Fleetenkieker hatte sich für einen Corona-Protest gut vorbereitet. Mit Megafon und Spickzettel zog er vor das Hamburger Rathaus und liess dort seinem Frust über ein Ausgangsverbot ab 22:00 Uhr freien Lauf. Er hatte das Mikro seiner Flüstertüte abgenommen und brüllte hinein, was sein Spickzettel hergab:“Fraaaihaaait!“ Die Passanten auf dem Rathausmarkt hatten keine Ahnung, worum es Jan-Claas ging, aber sie klatschten artig Beifall – und Jan geriet in Rage. Erst fuchtelte er mit seiner Megatüte ein wenig, und plötzlich hatte er das Gerät gegen sich selbst gerichtet und brüllte sich an: „Fraaaihaaait! Fraaaihaaait!“ Und von der Vorderfront des Hamburger Rathauses kam ein Echo zurück. Es hörte sich an wie „Dumb Ass! Dumb Ass!“. Die Passanten blieben nun stehen, hatten ihr Vergnügen und brüllten mit: „Fraaaihaaait!“ Und das Rathaus echote zurück „Dumb Ass!“, und jeder hatte seinen Spass – nur Jan-Claas Fleetenkieker nicht. Man hatte ihm die Show gestohlen. Er packte seinen Spickzettel ein und ging.

In der Nacht, weit nach 22:00 Uhr klaubte ihn ein Polizeitrupp von der Davidswache auf St. Pauli vom Bürgersteig auf, Jan war nun voll wie eine Tüte Milch. Man schaffte ihn in eine Zelle der Davidswache, während er schon wieder murmelnd protestierte: „Fraaaihaaait!“ Sein Spickzettel war wohl weg, und so fügte er immer ganz intuitiv hinzu „Scheisse!“, bis der Revierleiter alle Kollegen wegschickte und für Ruhe sorgte. Endlich schlief Jan-Claas den Schlaf des Gerechten – wenn auch mit fremder Hilfe, der einer wirklich harten Hand, der man auf dem Kiez den Namen „Sören“ gegeben hat, oder auch Sören, der Peacemaker.

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