312 – Zickig

Man komme mir nicht mit dem Klimawandel, und dass der heisse Sommer selbst Glas hätte schmelzen lassen. Ich mag noch akzeptieren, wenn man mir verkaufen will, diese Maß sei stylish. Tatsächlich liegt ein Fall von Gewinnoptimierung vor, den ich kriminell nenne. Jetzt aufgepasst, wir rechnen mit Volumina!

In Bayern hat ein traditioneller Liter Bier nicht 1.000, sondern 750 ccm. In dieser zerknautschten Maß sind es eingeschenkt nur noch 600 ccm, also etwas mehr als ein halber Liter. Wenn Du nun eine solche Maß für zehn oiro fuffzig gekauft hast, trinkst Du ungehindert jene Menge Bier, die in der Schrägen steht. Im geraden Sockel verbleiben ca. 100 ccm, die man sich beim Versuch, sie zu erreichen, leicht über das Hemd schütten kann. Der Henkel muss nach dem Boden zeigen, damit Du an den Rest unbeschadet herankommst – bei der dritten Maß hast Du das vergessen., und Du holst Dir die erste Dusche.
Wenn Du irgndwann wieder klar im Kopf bist, wirst Du bemerken, dass in Bayern ein Liter Bier nur noch einen halben Liter gross ist, und dass Du auf dem Oktoberfest für 500 ccm Luft im Glas fünf oiro zu viel gelöhnt hast.
Auf der Wies’n – ein Liter = 500 ccm – 10,50 Oiro.

Zu Hause – 1/2 Liter = 500 ccm – 0,99 Oiro (für Starkbier)
Die Stimmung im Bierzelt kostet also bei 3 Maß Bier 3 x 9,51 Oiro = 28,53 Oiro, dafür darst Du kostenlos mitsingen, auch wenn Du nicht singen kannst. Aber Du musst nur halb soviel pieseln wie zu Hause, wenn Du im eigenen Wigwam 3 echte Maß, also 3.000 ccm aus der Dose getrunken hast.
Ja, ich habe erkannt, dass ich so bescheuert argumentiere. Die übliche Korrektu der Biermenge in Gläsern hat Tradition und ist pillepalle. Die Musik spielt anderswo, zum Beispiel bei Andy Scheuer, jenem Minister, dem das Gewissen ins Bierglas gefallen und ertrunken ist. Gross war’s nicht. Er hat’s einfach mit dem Bier runtergeschluckt.

Weil es mir gerade wieder einfällt: Ich bin sehr stolz darauf, mir im Münchener Hofbräuhaus ein Lokalverbot eingehandelt zu haben. Grund war eine halb volle Mass. Wir waren zu fünft und wollten dort essen. Nachdem mich der Geschäftsführer hinausgewiesen hatte sind wir alle nach nebenan in den Augustinerkeller gezogen. Dort ist das Essen besser, und es wurde reell eingeschenkt. Der GF hat ein wenig blöd ausgeschaut, als alle 5 aufstanden, vier davon ein Bier zahlten, und alle gingen. München gegen Hamburg – 1:0.
In der Gastronomie haben die Service-Leute nicht viel zu lachen. Meist sind sie für Spässe nicht zu haben. In einer Äppelwoi-Kneipe in Frankfurt habe ich auch Lokalverbot – weil ich einen kleineren quadratischen Tisch mitnehmen wollte. Ich hatte ihn schon auf mein Kreuz geladen, als das Theater losging ….. naja. Ist wohl nicht die feine Art gewesen – aber lustig war’sy schon, für die Gäste! „Ich bin Student, ich brauch den Tisch!“

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