295 – Schattenwelt

Ein Mann geht seinen Weg durch die Stadt.
Er ist einsam.
Die Strasse scheint menschenleer.
Es sind nur Schatten, die vorbeihuschen
und sich an ihm reiben.
Er spürt, wie seine Gedanken ihn verlassen
und seinen Kopf umflattern,
dunklen Spruchbändern gleich.
Er fühlt sich seinem Gott nahe.
Schaut zu, wie die Kathedrale ihr Fundament verlässt
und himmelwärts strebt,
glaubt, eine gottverlassene Existenz zu sein.
Verzweiflung formt sein Gesicht
bis zur Unkenntlichkeit.
Plötzlich werden die Schatten bunt,
scheinen sich zu materialisieren.
Sie scharen sich um ihn,
und es legt sich eine Hand auf seine Schulter.
Er spürt den Trost,
schaut in die spiegelnde Fensterscheibe
und findet sich nicht in diesem Bild.
So hebt er die Hand
und zeichnet einen grossen Kreis in die Luft.
Der Mann erkennt:
Er ist selbst ein bunter Schatten
in dieser grauen Stadt,
die für Menschen gebaut wurde,
und die der Schattenwelt einen Hintergrund bietet.
Zuversicht macht seine Gedanken hell und bunt.

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