265 – Sommer

Eine leise Trauer hat sich über mir ausgebreitet
wie ein Tuch aus Leinen,
das andere Gefühle aufsaugt,
nichts anderes gelten lässt
und mir ständig einflüstert:
Er ist vorbei, der Sommer!
Nun brauchst Du die Wärme von innen,
richte Dich danach!
Und ich tue, was man von mir verlangt.
Es geht mit gut, in meinem Bett.
Ich spüre, dass mich eine Muse besucht,
und bin wieder einmal verwundert.
Denn ein Künstler bin ich nicht,
und ich weiss nicht,
ob Kalliope oder Thalia gekommen ist,
aber eine von beiden ist plötzlich da
und flüstert: Aufstehen! Arbeiten!
Ich schaue aus dem Fenster
und sehe einen trostlosen Morgen,
düster und regnerisch,
und alle meine Sinne sträuben sich
gegen einen solchen Tag,
der nichts weiter verspricht
als Tristesse und seelischen Notstand –
der Sommer ist vorbei!
Noch gebe ich mich der Trauer hin,
als Thalia, sie muss es sein
mir zuflüstert: Erinnere Dich!
Erinnere Dich an Lambrusco!
Und ich denke, nun hör Dir das Luder an,
ich denke an Foccacia und Lambrusco
und an den Lago di Como,
ein schöner Sommerabend endet übel –
aber Thalia flüstert weiter:
Lambrusco! Lambrusco!
Und ich übersetze:
Nach Süden, nach Süden,
in den ewigen Sommer!
Dann packt mich ein Schauer aus kalter Wut.
Thalia, verschwinde, Du Schnecke!
Hockst auf meinem Gemüt wie ’ne Zecke
und trinkst genüsslich mein Herzblut.
Thalia, beleidigt, ist plötzlich fort –
was bleibt ist wirklich ein einziges Wort:
Lambrusco, Lambrusco, Lambrusco!

%d Bloggern gefällt das: