256 – Trostlos

„Das ist bitter, zu erkennen. Ich weiß es
seit 1929 – da habe ich eine Vortragsreise
gemacht und „unsere Leute“ von Angesicht
zu Angesicht gesehen, vor dem Podium,
Gegner und Anhänger, und da habe ich
es begriffen, und von da an bin ich immer
stiller geworden. Mein Leben ist mir zu
kostbar, mich unter einen Apfelbaum zu
stellen und ihn zu bitten, Birnen
zu produzieren. Ich nicht mehr.
Ich habe mit diesem Land, dessen Sprache
ich so wenig wie möglich spreche,
nichts mehr zu schaffen. Möge es
verrecken – möge Rußland es erobern –
ich bin damit fertig.“

So in 1935 Kurt Tucholski,
ein linker Demokrat, Sozialist, Pazifist und Antimilitarist an den Schriftsteller Arnold Zweig.

„Deutschland ist ein Land,
wo Mangel an politischer Befähigung
den Weg zu den höchsten Ehrenämtern
sichert.“

Dies schrieb 1928 ein deutscher Journalist und Schriftsteller, Carl von Ossietzky.
Er erhielt den Friedensnobelpreis in 1935.

86 Jahre später stellen wir fest,
dass dieses Urteil auch in der Gegenwart
noch Bestand hat.

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