252 – Trinken

Es ist nicht weiter schlimm, nur ein wenig teuer, ein Genussmensch zu sein. Genussmensch – das ist kein Feinschmecker, sondern einer, der Monotonie in der Ernährung einfach nicht mag, und der jedem die Pest an den Hals wünscht, der mit seinen Produkten nicht wenigstens gute Qualität abliefert. Es ergibt sich daraus zwangsläufig, dass der Genussmensch nahezu jede Futterfabrik mit deren Schweinkram als Terroristen-Nest betrachtet, und den Handel als Helfershelfer.

Mag sein, dass Du das nicht nachvollziehen kannst. Ich bin natürlich gehandicapt, da ich online einkaufen muss. Ich kaufe für eine Woche, das Futter kommt am Mittwoch. Am folgenden Dienstag habe ich immer noch dieses üble Fabrikbrot im Schapp liegen, und eine halbe Palette teuren voll durchgetrockneten Appenzeller in Scheiben. Nun mache ich daraus ein Käsebrot – und das serviere ich Dir! Wetten, dass Du reinbeisst, ausspuckst und mir erklärst, dass Du solche Sauerei nicht essen wirst? Wetten? Solch ein Käsebrot kriegst Du unverletzt garnicht runtergeschluckt! Du gurgelst mit Brotbrocken und denkst nur noch „Trinken!“

Neue Situation: Seit 25 Jahren trinke ich Mineralwasser. Mittlerweile hängt es mir zum Halse raus. So schiebe ich gegen den Durst mal ein Bier dazwischen, oder eine Flasche Wein, die aber des Genusses wegen, dann kriege ich zwischendurch auch Mineralwasser gegen den Durst runter. Limo ohne Zucker habe ich reichlich getestet. Wird wohl alles bei Bayer in Leverkusen hergestellt; in Sachen künstliche Aromen bin ich inzwischen nahezu versiert.
Ich erinnere mich an Apfelschorle. Halb Apfelsaft, halb Sprudel, alles gut gekühlt. Ich versuchte mein Glück. Das Sprudel war ok, aber der Apfelsaft war verdünnt. Und schon kommt mir wieder die Galle hoch: Leicht und naturtrüb, steht auf der Flasche. Beides stimmt. Und ich mache das Getränk mit meiner Wasserflasche noch leichter! Und Du wirst es nicht glauben, aber diese hausgemachte Plörre passt ganz hervorragend zu meiner ausgetrockneten Käsestulle! Nur passt das ganze Gedeck nicht zu mir. So’n Pech aber auch!

Übrigens: Die Toter Oma aus Beitrag 251 war durchaus essbar, nachdem ich kräftig nachgewürzt habe. W. meinte, das Zeugs sähe aus wie Katzenfutter, und ich stimmte zu. So sah der Doseninhalt tatsächlich aus. Die Katzen waren anderer Meinung. Beide wichen mit einem Anflug von Panik zurück – lag wohl am Majoran.
Ich erinnerte mich. Dieses Gericht ist mir durchaus bekannt, aber unter anderem Namen. Frisch gekocht wird die Grützwurst kross angebraten, und daneben liegen auf dem Teller Kartoffeln oder Pürée, und Sauerkraut. Eine Halbe Bier dazu – passt!

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