251 – Oma

Offenbar bin ich wieder in eine sehr eingetrübte Stimmungslage abgeglitten. Wen wundert’s? Soeben hat man mir eine tote Oma durch die Haustüre geschoben. In einer Dose, nicht in einer Urne. In der Dose klappert auch nichts, also keine Knochen drin. Omma ist schwer, und absolut still.

Wie gesagbt, es ist das Alter, das mich zu solchen Entgleisungen verführt. Man hat nicht mehr viel Zeit vor der Nase, und möchte doch noch ein wenig Abenteuer erleben. U/nd was geschieht? Man kauft sich eine tote Omma.
In einer Dose. Abartig. Sofort baut sich eine Frage von Gewicht auf: Ist das Produkt geniessbar, oder nur für deas Kaminsims als Zierde geeignet?Wenn es Futter ist, dann für wen? Wenn für mich, dann wie isst man so etwas? Stinkt Omma n icht, wernn ich sie Heiss mache? Was sagt mir das Etikett?

Mit dem Aufkleber wird’s handfest; so könnte ich nähert an Omma rankommen. Mal lesen: DDR. Schulküche. Tote Oma. Grützwurst mit Kartoffeln. (Aha!) Einfach, echt und schmeckt wie früher. m800 Gramm mit 1200 Kalorien, in der Pfanne anbraten. Omma muss also in die Pfanne und kriegt dort ganz warmer Füsse.

Ist das nun DDR-Humor? Ich denke, dass ja. Schliesslich nannte man die Blutwurst auch „Verkehrsunfall“. Und eine tote Omma gibt es auch zum Trinken; wir zivilisierten Westler nennen so etwas „Eiergrog“; aber das ist in Thüringen wie in Friesland nichts weiter als eine Köstlichkeit und sie weckt Tote wieder auf. Wer mehr als 3 davon gekippt hat, darf weder ins Ammerland einreisen noch den Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg besuchen – man reisst dort aus Übermut ganze Strecken von Rhododendron aus, und das wird teuer.
Moment mal, wo war ich gerade? Hm, beim DDR-Humor. Doch, es gab ihn schon immer. Den Erich Honecker nannte man zum Beispiel Generalsekretät des Zentralkommitées der SED und Vorsitzenden des Staatsrats der DDR!
Dagegen bleibt meine tote Omma in ihrer Dose blass wie ein Leichentuch!

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