242 – Hokuspokus

Es geschah am 22. Mai 1949. Eine komplette Abiturientenklasse verschwand. 27 junge Menschen waren plötzlich nicht mehr existent. Was folgte, liegt auf der Hand. Eltern waren verzweifelt, und die Polizei ratlos. Bereits nach 7 Tagen herrschte verbaler Krieg zwischen den Beteiligten. Dummheit und Hilflosigkeit verdrängten den Verstand, und die Stimmung in der Stadt wurde bedrohlich – über die Suche nach Verantwortlichen kam man nicht hinaus.

Am 5. Juni 1949 sassen plötzlich alle Vermissten wieder in ihrem Klassenzimmer. Sie taten so, als wäre nichts passiert. Die Neuigkeit verbreitete sich in der Stadt wie ein Lauffeuer, und plötzlich wussten viele, was geschehen war. Nur die 27 Jugendlichen wussten es nicht. Unisono erklärten sie: „Ich weiss nicht, was geschehen ist. Hört auf zu fragen. Es ist sinnlos!“ Alle verwendeten diese Formulierung ohne Abweichung.

Es dauerte nur eine knappe Woche, dann hatte sich der Staub gelegt. Das öffentliche Interesse erlosch, und das städtische Leben begann sich zu normalisieren. Die 27 Jugendlichen machten ihr Abi und zerstreuten sich in alle Windrichtungen. Alles schien wieder normal zu sein – bis der erste Beobachter etwas entdeckte. Einer der 27 wurde zwar älter, stand jedoch immer noch da wie ein 17-jähriger. Reaktion: „Warum wird der nicht älter?“

30 Jahre später hatte man sich an den Umstand gewöhnt, dass 27 Menschen, die 47 jahre alt waren, als solche durch ihr Leben schritten, aber wie 17-jährige erschienen. Alle Welt fragte, wer diesen Menschen das Elixier für ewiges Leben gegeben hatte, und was das wohl für ein Zaubertrank sein mochte. Die Wissenschaft sucht sich einen Wolf, ohne irgendeinen Hinweis zu entdecken. Das grosse Rätsel wurde nie gelöst.

Am Abend des 21. Mai 2048 sassen 27 junge Leute in einem Konferenzraum des Mercure Hotels in Berlin zusammen, um in ihren 100. Geburtstag hineinzufeiern. Am 22. Mai um 00:10 alarmierte eine Service-Kraft den Nachtportier des Hotels. Er schaute nach dem Rechten und fand 27 tote Menschen, die alle ausschauten, als wären sie 100 Jahre alt. Natürlich überliess er das Feld den Behörden und zog sich zurück in seine Loge, um seinen Tee zu trinken. Dabei blickte er gedankenverloren in seinen Becher, und murmelte plötzlich „Gott sei Dank!“ Und das meinte er auch so.

Vier Wochen später wusste die ganze Welt, dass sich ähnliche Vorgänge auf allen Kontinenten ereigneten; man zählte 15 Fälle, und belegte China mit einem Generalverdacht. Erstens macht man das immer so, und zweitens haben die nichts Besseres verdient. Und alle fragen sich, wieso Xi Jinping bereits im Jahr 2037 im Alter von 84 Jahren gestorben ist.

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