216 – Krabbekaschber

So nannte meine Mutter den Tod. Ich habe nie entschlüsseln können, wieso.
Sie war eine schlicht denkende Frau, aber mit ausgeprägter sozialer Intelligenz. Sie starb, weil sie es ablehnte, zum Arzt zu gehen. Ihr Sterben war langwierig und qualvoll.

Anders mein Vater. Er fiel mit einer Embolie um und war tot, genau so, wie man es sich wünscht.

Noch anders ich. Ich hatte 6 Embolien und lebe immer noch. So macht man das! Jaja, die moderne Medizin hat auch geholfen, ich weiss das schon zu würdigen! Er, der Krabbekaschber klopfte gelegentlich bei mir an, aber nur, um unser freundschaftliches Verhältnis zu bestätigen. Ich sage: Komm, Alter, noch ein bisschen! Und er: Scheisskerl! Aber ich komme wieder!

Dieses Ritual haben wir einige Male durchgeführt, und man ist stets mit einem Unentschieden aus dem Ring gestiegen.

Ist doch Klasse, oder?

Meine Begegnungen mit dem Tod haben mich gelassen gemacht. Er wird irgendwann gewinnen, und ich gönne es ihm. Ich sage ihm immer wieder: Nicht so bald bitte, es passt noch nicht. Und das ist wahr; ich habe noch keine Zeit dafür. Erst muss mein Nachwuchs in einem sicheren Hafen anlegen. Dann, Alter, können wir wieder verhandeln, und es wird für uns beide gut aussehen!

Ich habe ihm geholfen, indem ich einen Plan entwickelte. Er weiss nun: Ich brauche noch 13 Jahre!

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