205 – Frontbericht

Zunächst muss ich erwähnen, dass die weisse Bestie, dieser Kater namens Frodo tatsächlich unsere Hütte als sein Domizil buchstäblich annektiert. Sein Verhalten ist – mit menschlichem Masstab gemessen – unverschämt. Er ist wie Klebstoff auf dem Hemd; wir werden ihn einfach nicht los.

In der vergangenen Nacht hat er mein Mittagessen gefressen. Ich hatte W im Verdacht. W ist meine Tochter. Das Kürzel steht für Wilhelmine, das ist ein weiblicher Wilhelm, wir man unschwer erkennen kann. Wie auch immer: W streitet glaubhaft ab, mein Kartoffelpürée kalt weggefuttert zu haben. Es kann also nur der Schönling gewesen sein, der so viel frisst wie ein Puma und dabei schlank bleibt wie eine Tanne! Ich esse genauso viel wie er, ich werde nicht schlank, und ich frage mich, in welcher Welt ich lebe und wie der Kater es in die Rolle eines Protegées geschafft hat, während ich mein Leben als sein Futterbeschaffer friste.

Zu allem Überfluss ist W dabei, die Hütte, in der ich früher das Hausrecht ausübte, in eine Menagerie zu verwandeln. Es gibt Zuwachs. In der Diele steht nun die grosse Katzentransportbox, und drinnen mopst sich ein Igel.
Stop! Nicht einfach ein Igel, sondern eine Spätgeburt – also ein Kind vom Igel. Der Kleine wiegt weniger als 200 Gramm und soll nun fettgefüttert werden, damit er in einem Quartier unter den Büschen den Winter überlebt.
Der Zwerg braucht täglich 160 g Katzenfutter, dabei soll er in 24 Stunden 10 g Körpergewicht zulegen. Damit kostet er täglich einen Oiro, und das über geschätzt 28 Tage. Anschliessend muss er raus aus dem Haus. Auswildern nennt man das.

Übrigens: Wenn der Mensch 10 Gramm pro Tag zulegt, wird er im Alter von 100 Jahren ca. 3,6 Tonnen wiegen. Leider verhindert das irgendein genetischer Pfusch im Stoffwechsel.

Ich denke, das Auswildern des kleinen Stacheltiers wird kein Vorgang werden, der starke Emotionen mit sich bringt. Im Gegenteil. Igel sind echte Dreckschweine. Sus scrofa, das Hausschwein ist dagegen ausgesprochen reinlich.

Ich sitze nun hier einigermassen ratlos und frage mich, was W demnächst anschleppt. Was und wann auch immer: Mein kleines Büro werde mich notfalls mit der Waffe verteidigen. Hier kommt kein Kälbchen rein! Oder nur in Schnitzelform. Ich mag niedliche Schnitzel.

2 Antworten auf “205 – Frontbericht”

  1. Update:
    Das stachelige Kleinchen heisst nun „PIxel“…und hat …ja, Gesellschaft bekommen. Neben der Katzentransportbox von Pixel steht jetzt ein Karton. Drin hockt ein 339g leichter Igel, der des Nachts, der – nachdem seine Ration Katzenfutter verdrückt hat – Randale macht…
    Die beiden kleinen Scheisser sauen rum.
    Wenn Pixel nicht zunimmt, wird er vertrauensvoll in die Hände der Igelhilfe gegeben.
    Den Saubär versuchen wir auf 500g hochzupäppeln, damit er wieder in den Garten kann.
    Es gibt bereits Pläne für ein selbstgebautes Igehaus, denn wir wissen sehr wohl, dass es einen Igel Nr 3 gibt.
    Wir sind entschlossen, der Wohnungsmarktkrise wenigstens in unserem Mikrokosmos die Stirn zu bieten.
    Dieser hat die Frechheit und benutzt unsere Katzenklappe, die in die Diele mündet….wo unsere Katzenfutterstation samt Katzenbrunnen zum Verweilen einlädt.
    Igel Nr. 3 hat auch bereits vor ein paar Wochen Bekanntschaft mit unserer Küchenwaage gemacht und ist für okay befunden worden. Bis Wintereinbruch soll ein Igel 500 – 650 g wiegen.
    Jetzt haben wir also ehrenamtlich den Job der WeightWatchers mit einem ein Wenig modifizierten Geschäftsmodell übernommen.
    Jedes Gramm Gewichtszunahme wird gefeiert.

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    1. Gewiss feiern wie Gewichtszhunahmen! Ich habe mich ständig selbst gewogen, und bin deshalb Alkoholiker
      geworden. Wenn Nummer 2 die 500 g erreicht hat, werden wir, das sind W und ich, uns die Hucke vollsaufen.
      Gottlob: Wo ich bin, ist auch Riesling!

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