203 – Babylon

Soeben fand ich einen Kommentar in Italienisch, mit wenigen Worten und für mich völlig unverständlich. Es war ein wenig aufwendig, korrekt zu übersetzen – aber ich schaffte das, und dann noch eine kurze Antwort. Danach kam ich ins Grübeln.

Zum einen bin ich ein wenig unglücklich über die Tatsache, dass ich nicht sprachbegabt bin, sondern das Gegenteil. Mein Sprachzentrum hat nicht die Grösse eines Trüffels, sondern eines Stecknadelkopfs. Das ist genetischer Pfusch.

Zwischendurch frage ich mich, wie die Welt und das Verhältnis der Völker untereinander wohl aussähe, wenn alle dieselbe Sprache benutzen würden. Man darf ja träumen, nicht wahr?

Nun könnte ich mir einen Weg suchen, der es mir ermöglicht, einen deutschen Text durch den Google translater zu jagen, und dann per Copy/past einen Text in Africaans nach Kapstadt zu schicken. Eine irre Idee, denn ich kenne in Südafrika keinen Menschen, auch nicht in Tibet oder in Esperanto, und was ich den Arabern zu sagen hätte, bleibt besser ungesagt.
Kurz: Ich brauche diese Funktion „Übersetzen in“ überhaupt nicht.

Ist das nicht traurig? In diesem Leben werde ich wohl nicht mehr zum Kosmopoliten! Und das Entzaubern einer Person geht so rasch! Stelle Dir mal vor, man müsste aus irgendeinem Grund meine Schädeldecke öffnen. Der Chirurg guckt dann hinein und haut schnell den Deckel wieder drauf, ruft: „Mein Gott, so wenig!“ Damit wäre ich erledigt. Dann fügt er noch dazu: „Und sowas lebt!“ Machen wir uns nichts vor. Erst wenn man mein Skelett ins Völkerkundemuseum geschafft und neben den Dinosauriern aufgebaut hat, ist ein Trend zum Positiven erkennbar. Ein spätes Vergnügen – aber extrem nachhaltig!

Es war einfach eine idiotische Idee, in Babel diesen Turm bauen zu wollen.

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