183 – Zitate

Die häufige Verwendung von Zitaten prominenter Zeitgenossen soll wohl den Bildungsstand des Blogschreibers belegen. Zugegeben, ich gehöre zu dieser Sorte Mensch. Dennoch bin ich ein wenig anders. Ich denke darüber nach, was ich tue. Ich frage nach dem Wert von Aphorismen für die Welt, und für den Aphoristiker. Und an dieser Frage scheiden sich die Geister.

Wenn ich zum Schaumschläger degeneriere, scheide ich aus der Diskussion mit mir selbst aus. Dann mutiere ich zum Primitivling, und mit solchen Leuten rede ich nicht.
Anders wenn ich mit ehrlichem Überlegen zitiere, weil mir der formulierte Gedanke wichtig erscheint. Hierzu gibt es zwei Möglichkeiten.

Das Zitat wurde von einer anderen Person formuliert. Die Welt liest, stellt die Richtigkeit des Gedankens fest, und geht dann in den Keller, um sich einige Bierchen zu holen. Das Zitat bleibt ohne jede Wirkung. Oder:

Das Zitat stammt von mir selbst. Wie beim Wiederkäuer, etwa beim Rindvieh liegt der gute Gedanke im Vormagen, wird hochgewürgt, erneut durchgekaut und wieder runtergeschluckt. Dabei entwickelt das Rindvieh so etwas wie stolz, ein solcher wie „Huch, was bin ich wieder schlau“, und ich fühle mich gut. Und die Welt? Geht wie im Fall 1 Bierchen aus dem Keller holen.

Das Ergebnis: Ein Aphorismus nutzt mir, wenn ich ihn formuliert habe. Sonst niemanden. Aber es steht mein Name drunter.
Anders, wenn Aristoteles oder Goethe druntersteht. Deren Aphorismen nutzen niemanden. Nicht mal mir.

Und die Schönheit des Gedankens? Die geistvolle Formulierung? Ist es nicht eine Kunstform? Ist es nicht kulturell bedeutsamer Nachlass berühmter Persönlichkeiten? Kann sein. Dann bin ich halt ein Künstler. Nicht weil ich zitiert habe, sondern weil ich selbst schrieb. Wenig, aber schön – und für den Papierkorb.

Verdammt! Merkt denn keiner, wie gut ich bin? Was’n los, Leute?