178 – Salat

Heute mittag hatte ich unverschämtes Glück – meine Tochter hatte eine grosse Schüssel bunten Salat zurechtgemacht, und ich konnte mich dort bedienen. Das i-Tüfelchen: Ich musste nicht das Blockhaus-Cäsar-Salatdressing dazunehmen, da ich in einem elektrischen Grossgerät eine Buddel American dressing fand. Meine Mittagsmahlzeit war also Bunter Salat satt mit rosa Mumpe, ansonsten mit ohner alles …. wie soll ich das jetzt formulieren ….. na so, wie eine Kuh den Salat fressen würde. Nur eben mit rosa Sosse drüber, und einem halben Ei drauf. Die besondere Raffinesse an diesem krautigen Gericht bewirkte eine Ladung „Thunfisch zerrupft“. Damit wurde der ordinäre Insalada mista aufgepimpt zum Nizza-Salat, oder – wie man zu sagenb pflegt – zum Salade niçoise.

Das Leben hat mich gelehrt, zu nehmen, wenn man mir gibt, und den Mund zu halten, wenn dabei etwas nicht so ist wie üblich. In diesem Sinne habe ich klaglos hingenommen, dass alles, was in der Schüssel grün war, nicht gabelgerecht zerkleinert wurde. Und da war viel Grün im Salat! So ergab sich folgende Situation: Ich sitze mit einem soeben aus dem Schrank gepultenfrischen Hemd vor meinem Salatteller, der mit viel rosa Dressing verschönert wurde. Steche mit meinem Essbesteck auf den Eisbergsalat ein und erwische gleich 2 Teile, beide zusammengenommen etwa so gross wie ein Fusslappen von Iwan, als der in Filzstiefeln in Berlin einmarschierte. Von diesem grossformatigen Blattgut tropft eine rosa Brühe. Ich führe die Gabel zum Mund, und nun hängen die grünen Lappen in meinem Gesicht, und rosa Brühe in meinem Bart, und es tropft weiter – wohin? Ist doch klar! Auf das frische Hemd. Dazu kommt über’n Tisch auch noch ein Kommentar, kurz und knapp: Papa, dein Hemd muss in die Wäsche! Und ich gebe dabei den Tattergreis und Dorfdepp, der zu dämlich ist, seinen Salat mit Messer und Gabel zu essen — ich habe in 81 Jahren niemals Salat mit Messer essen müssen, und ich werde auch heute damit nicht anfangen!

Die gelben Körner haben mich weniger gestört, auch wenn ich nicht weiss, warum ich Hühnerfutter essen soll. Aber rohe Möhren in den NIzzasalat schnippeln ist mir sehr fremd.
Dies insbesondere, da ich die letzten beiden Möhren wegen angegriffenen Aussehens in die Mülltonne geworfen hatte, ohne zu ahnen, dass sich in meinem Haus irgendwo noch ein geheimes Möhrenlager befinden muss, sodass ein Teil davon unweigerlich auf meinem Salatteller landen musste. Positiv war, dass mir Sardellen und Oliven erspart wurden. Diese Dinge sind mir zu fremdartig; von Sardelle zum schwedischen Surströmming Filéer, dem beliebten Stinkefisch ist es für den Gourmet nur ein Katzensprung weit.

Eine besondere Rolle spielten die Fabrik-Tomaten. Sie sind zusammengebaut aus Fasern, Wasser und Solanin; unklar ist, wo der rote Farbstoff herkommt. Die besondere Rolle der Kunsttomaten besteht aus der Erkenntnis, dass es gescheit ist, wenn man seine Tomaten selbst anbaut. Unsere diesjährige Ernte mit 3 Pflanzen war ergiebig und tomatig, und viel zu kostbar, um sie für Sossen zu verschwenden.

Ja, dann bin ich noch über Bitterstoffe gestolpert, die sich in Lollo rosso verbergen. Wenig davon in verdaulichen Stücken serviert mag wegen der Optik noch angehen. Wenn sie aber in Pizza-Grösse auf meiner Gabel hängen und wie ein Schluck Spucke in der Kurve vor sich hintropfen, dann ist meine Toleranzgrenze weit überschritten, ich kriege einen irren Blick und werde zum Taliban.

Es gäbe noch dies und das zu kommentieren – ich lasse es lieber. Es ist gescheit, auf meine Gesundheit zu achten. Eben noch hatte ich das dringende Bedürfnis, einen Vers zu schreiben, der so beginnt:


„Es fliegt ein Schiff nach Nirgendwo …..“

Was soll ich sagen; es sind mit Sicherheit die Möhren im Nizzasalat! Hoffentlich geht das wieder weg!

2 Antworten auf “178 – Salat”

  1. Wenn ich den Salat so wie Du gegessen hätte, dann hätte meine Frau gesagt „stopf nicht so!“. Oder vielleicht abgewandelt „tropf nicht so“ oder „Du Tropf!“, aber das wagt sie sich nicht. Noch nicht.

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    1. Hallo Werner!
      Ich bin in privilegierter Lage, denn meine Frau ist vor Jahren gestorben, und meine Tochter kann genauso ferkeln wie ich.
      Es ist die Waschmaschine, die protestiert, indem sie Jobs nicht zu Ende fährt. Aber sie kann nicht reden, eine Wohltat.

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