174 – Hochspannung

Heute ist Wahltag.
Es läuft die letzte Stunde zur Stimmabgabe.
Dann, um sechs, wird man die Prognose verkünden – ein altes und abgenutztes Ritual, das immer noch seine Magie spielen lässt, denn bis zur ersten Hochrechnung wird der Zauber der Prognose die Spannung bis ins schier Unermessliche steigern.

Ich gestehe, selbst nicht souverän das amtliche Endergebnis abwarten zu können. Ich spüre, wie mein Puls beginnt zu steigen, ich schwitze wie ein Schwein vor Aufregung – und bin eingeschlafen. Ehrlich, die rituelle Verkündung einer Prognose um 18 Uhr habe ich glatt verschlafen wie den Krimi aus der ARD-Megathek.

Übrigens: Deutsche Krimis sind stets so raffiniert konstruiert wie eine Pellkartoffel; man kann mittenrein springen, ohne etwas versäumt zu haben – sie sind Leuchten in der deutschen Landschaft, in der Gegenwartskultur, und wunderbarerweise unbelastet vom Anspruch, Kulturgut zu sein. Sie sind schlicht Schlafmittel.

Ja, genau. Schlafmittel wie der beliebte „Wahlabend“. Du weisst doch, was ich meine? Zum Beispiel die „Elefantenrunde“, in welcher sich Parteispitzen darin gefallen, den jeweils anderen Teilnehmern leere Parolen um die Ohren zu hauen, die, was die Härte der Auseinandersetzung betrifft, so weh tun wie eine Kissenschlacht mit Plumeaus, die mit feinsten finnischen Daunen gefüllt sind.

Dennoch scheint die Veranstaltung auch Komisches zu bieten. Soeben berichtet mir meine Tochter, dass der Laschet zu blöde ist, einen Wahlzettel richtig zu handhaben. Er hat – unerwartet – 2 x CDU angekreuzt und dies dann vor eine TV-Kamera gehalten. Nun war seine Wahl nicht mehr geheim, und sein Stimmzettel somit ungültig. Diesen Clown kann ich nicht in meinen Garten zum Unkrautjäten lassen. Der lässt den Giersch stehen und reisst alle Tulpen raus.

Nun, mit der Trump-Komödie in den USA haben wir gelernt, was in der Politik alles möglich ist, und wir müssen uns ernsthaft fragen, warum es uns besser gelingen soll als den Amis.

Und ich? Zugegeben, ich werde jetzt mal um die Ecke schauen; es interessiert mich schon, wer vorne liegt. Aha, die Roten knapp vorne. Kein Kommentar, und nun zurück zum Krimi!