145 – Erdbeerkuchen

Neulich tauchte mein Sohn auf und brachte Erdbeerkuchen mit. Offenbar hatte er an irgendeiner Backstube kurz angehalten und die 4 Teilchen gekauft. Jedes Sück mass genau 4×7 cm; ich habe das gemessen, und zwar aus gutem Grund. Es ist nicht meine Art, kleinlich an Kuchen herumzumessen. Hier aber war das angezeigt. Warum?

Der Erdbeerkuchen kam zwar aus einer Backstube, aber gewiss nicht aus der Hand eines Bäckers. Mag sein, dass der Mann gelernt hat, Teppichboden zu verlegen und dann auf Bäcker umsattelte. Mag sein, er glaubt nun, er sei ein Bäcker. Aber besagter Erdbeerkuchen spricht eine andere Sprache. Wie zum Teufel soll ich das Objekt beschreiben? Ahem! Von unten nach oben. Also so:

Der Boden war durchgeweicht und schmeckte nach Jahrgang 1998, offenbar ein Industrieprodukt. Darauf lag eine Kelle Dr. Oetker Vanille-Pudding, chemisch aromatisiert, also ohne Bourbon-Vanille. Auf dem Pudding hatte der Täter „Erdbeer“ geklebt; er nahm eine Frucht und sein schärfstes Messer, zerteilte die Erdbeere in Scheiben von 1 bis 2 mm Stärke und plazierte die Scheibchen auf der Puddingmasse – mit grosszügigen Lücken. So konnte er mit einer Frucht 2,7 Kuchenstücke belegen. Obwohl die Scheibchen im Pudding kleben, goss er dann eine klare, rötliche Brühe auf den Kuchen. Die wurde fest, es sollte Tortenguss sein, und der Glibber schmeckte schwach süsslich und ohne jedes Fruchtaroma. Kuchen fertig! Vermutlich brachte der Teppichbodenverleger dieses Machwerk dann in den Verkaufsraum, brüllte „einsdreissig“, und verschwand wieder in seiner Backstube genannten Bude, um noch 3 Erdbeeren zu hobeln.

Ich schaute auf diesen „Kuchen“ genannten Unrat und schäumte vor Wut. Und ich versuchte auszurechnen, was mein Sohn dafür bezahlt hatte. Ich rechnete viermal 1,3×4= und kriegte 4 verschiedene Ergebnisse. Als ich dann 2 x „fünfzwanzig“ errechnet hatte, krallte ich mir das Papier der Verpackung, fand dort die Daten des Möchtegern-Bäckers, formulierte unter Krämpfen im Hirn eine deftige eMail ohne Beleidigungen (!) und schickte sie ab.

Eine Woche später kam eine Antwort. „Ich werde das prüfen.“, schrieb der Knabe. Eine weitere Woche später besuchte mich mein Sohn und brachte Erdbeerkuchen mit. Ein Testkauf aus dem selben Laden. Auf dem Pudding lagen dicht gepackt halbe Früchte, und unter dem Pudding fand sich eine Spur von Paniermehl.

Zugegeben – auch das hat mich meine Fassung gekostet. Wer rechnet denn mit einer solch radikalen Reaktion!