140 – Sprache

Die Sprache ist die Mutter, nicht die Magd des Gedankens.

Karl Kraus (1874 – 1936), österreichischer Schriftsteller war ein leicht verwirrtes Genie, und sein Denken und Handeln wurde oft nicht verstanden. Das Zitat ist ein Beleg dafür. Die Sprache war nach seiner Meinung das wichtigste Kulturgut überhaupt.

Ich habe dieses Zitat mehrfach durchgekaut uind auf Wahrheitsgehalt getestet. Natürlich sind meine Mittel sehr beschränkt, aber ein Versuch ist einfach und wirksam.

Zur Zeit habe ich einen halbfertigen Text in Arbeit, zu dem mir das Ende fehlt. Mir fällt nichts ein. Garnichts. Also habe ich dieses Rudiment der Mutter Sprache überlassen. Null Reaktion! Ich habe es mit Französisch und Englisch versucht – es kam nichts. Ich übersetzte den Text mit dem Google-Translater ins Baskische; diese Höchststrafe führte zu nichts. Selbst die lustige italienische Version versank in den Fluten des Mittelmeers vor Rimini!

Nun muss also doch die Magd der Gedanken ran und meinen Text zu Ende schreiben – oder ich versenke ihn in der Tonne für Papierabfälle. Spassig, dass die Magd schon einige Ideen entwickelte, leider aber von unterirdischer Qualität.

Herrn Kraus ins Grab gesprochen: Sprache ist hörbar gemachtes Gedankengut.
Mehr nicht. Mutter sitzt im Hirn, nicht auf den Stimmbändern, und die Stimmbänder werden von Mutter mit Gedanken gefüttert, damit sie was zum Plärren haben. So sieht’s aus, Herr Kraus!