116 – Finnegan

Seit Wochen streunt hier ein kastrierter Kater herum. Er trägt einen weissen Pelz, wedelt mit einem grau getigerten Schwanz, und hat so zwei bis drei graue Flecken im Fell. Keiner der Katzenbesitzer weiss, wo der hingehört – das ist ihm wohl auch gleichgültig. Hauptsache, er weiss selbst, wo er hingehört. In unsere Familie, und dazu lässt er keine Zweifel aufkommen.

Unsere beiden Katzenweiber sind misstrauisch oder, je nach Laune, auch desinteressiert. Finnigan frisst wie ein Scheunendrescher. Was rumsteht, wird niedergemacht. Spitzenwert: 5 Portionen in knapp 10 Minuten. Dabei bleibt er schlank und elegant. Das mach mal nach!

Sein Verhalten: Abgewichst. Absolut gelassen. Dennoch den Menschen zugeneigt. Fordert Kuschelei, und das auf charmante Art. Er wurde mehrfach gefeuert – interessiert ihn weniger. Wenn er nicht ins Haus darf, schläft er im Garten. Unter dem alten Apfelbaum hat er sich einen Schlafplatz eingerichtet. Steht ein Fenster offen, ist er im Haus, frisst alle Näpfe leer und legt sich ein wenig hin, in einem Brotkorb, wie es sich gehört. Die Katzenklappe hat er noch nicht verstanden.

Der Widerstand gegen eine dritte Katze hält noch, bröckelt aber bedenklich.
Ich verstehe das. Finnigan ist ein wahrer Schönling. Im Gegensatz zu mir.
Wenn der Kater hier einzieht, kann es zu einem Verdrängungswettbewerb kommen. Dann muss ich wohl um meinen Platz in diesem Haus kämpfen.
Auch der Mensch muss essen und schlafen! Ich bin doch kein Ork ….. andernfalls hätte ich längst die zwei Katzenweiber gefressen!