115 – Mahnung

„Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“

Dieses Zitat wurde von Hans Jonas, einem Philosophen des 21. Jahrhunderts formuliert.

In die Alltagssprache übersetzt : Er meinte, wir wären verpflichtet, allem Lebenden, ob Mensch, Tier oder Pflanze für die Zukunft ein gedeihliches Leben zu gewährleisten.

Hans Jonas starb 1993, sein Hauptwerk ist ein Buch mit dem Titel „Das Prinzip Verantwortung“.

Prof. Harald Lesch nennt unser Zeitalter das des Kapitalozaen; Geld beherrscht alle Gesellschaftsschichten. Geld wird nach dem Vorbild des Dagobert Duck gehortet, arbeitet nicht in der Volkswirtschaft, fehlt also dort, wo es gebraucht wird, wie zum Beispiel zur Gegenwehr beim Klimawandel oder zum Ausbau einer zeitgemässen Infrastruktur usw. Panta rhei? Heraklit, das war einmal. Vergiss es! Geld klebt immer, mit Vorliebe an Fingern. Wie Sekundenkleber!

Im Kapitalozaen ist der Gemeinsinn abhanden gekommen. An dessen Stelle trat der Egoismus in einer extrem perversen Variante. Objekt der pflegerischen Verantwortung ist das persönliche Vermögen, und dessen Wachstum. In den letzten 50 Jahren gab es keine positiven Veränderungen. Und so wird es auch in den kommenden 50 Jahren sein. Erbärmlich, nicht wahr?

13 Antworten auf “115 – Mahnung”

    1. Hallo Werner! Das ist VWL / 1. Semester.
      Wenn Du Dich im 4. Semester um die Finanzwirtschaft bemühst, fliegt Dir diese Formel um die Ohren.
      Ich bin nicht kompetent genug, um dieses komplexe Thema richtig darzustellen.

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      1. Dumme Sache, man stolpert immer wieder über denselben Stein. Je höher die Ebene, auf der man ansiedeln möchte, desto schwieriger wird das Definieren. Und ganz obhen wird es wieder einfach, weil man sich jede Unschärfe leisten kann. Wenn ich so rangehe, verstehe ich Deine „Weltsicht“, und ich kann bedingt zustimmen. Aber was willst Du verstehen, wenn Deine Sicht falsch ist? Wenn man allerdings im Stoff ist, analytisch rangeht und Bilder wie die Breughels malt, wo auch noch ein winziger Bauernhund lachen darf, so kann masn mit Vereinfachungen nicht viel anfangen. Wenn sich dann noch Regierungspropaganda in eine Diskussion schleicht, wirds unerfreulich. Beispiel „ohne Wachstum kein Wohlstand“. Sofort fällt mir der Club of Rome, ein, mit seiner Veröffentlichung aus 1972, Titel „Die Grenzen des Wachstums“. Ein alter Hut, aber immer noch aktuell!
        Noch’n Tip: Hüte Dich vor der Person, die sich Weissnix nennt. Eine Beisszange!Ich kenne sie persönlich. Sie schreibt nicht nur viel. So redet sie auch. Wenn ich nicht aufpasse, nagelt sie mich blitzschnell an ein Scheunentor, und ich gucke nur noch so blöd wie der Kuckuck auf der Pfandmarke. Weissnix ist meine Tochter.
        Grüsse! Roland

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      2. Lieber Roland,
        Danke für die Warnung.
        Das mit dem Wachstum muss man glaube ich erst verstehen lernen, und ich bin ehrlich, auch mir ist das jetzt erst im 77.sten Lebensjahr so richtig bewusst geworden.
        Ich zitiere dazu mal aus einem der intelligentesten Bücher, die ich je gelesen habe, (HOMO DEUS – Eine Geschichte von Morgen – von Yuval Noah HARARI):

        Zitat Anfang:
        Der Druck der Evolution gewöhnte die Menschen daran, die Welt als einen unveränderlichen Kuchen zu betrachten. Wenn jemand ein größeres Stück davon bekommt, erhält ein anderer zwangsläufig ein kleineres. Eine bestimmte Familie oder Stadt mag prosperieren, aber die Mehrheit insgesamt wird nicht mehr produzieren als heute. Also suchten traditionelle Religionen wie das Christentum und der Islam nach Möglichkeiten, um die Probleme der Menschheit mit Hilfe der vorhandenen Ressourcen zu lösen. Und das hieß: Sie verteilten entweder den bestehenden Kuchen um oder versprachen uns den Kuchen im Himmel.
        Die Moderne dagegen gründet auf der festen Überzeugung, dass Wirtschaftswachstum nicht nur möglich, sondern absolut essenziell ist. Gebete, gute Taten und Meditation können beruhigend und inspirierend sein, aber Probleme wie Hunger, Krankheit und Krieg lassen sich nur durch Wachstum lösen. Dieser Grundsatz lässt sich in einer einfachen Vorstellung zusammenfassen: „Wenn man ein Problem hat, braucht man wahrscheinlich mehr Zeug, und um mehr Zeug zu haben, muss man mehr davon produzieren.“
        ………
        Wenn die Wirtschaft nicht wächst und der Kuchen damit gleich groß bleibt, kann man den Armen nur mehr geben, wenn man den Reichen etwas nimmt. Das wird zu einigen sehr harten Entscheidungen zwingen und vermutlich jede Menge Ärger und sogar Gewalt verursachen. Will man diese harten Entscheidungen, Verbitterung und Gewalt vermeiden, braucht man einen größeren Kuchen.
        Die Moderne hat „mehr Zeug“ zu einem Patentrezept gemacht, das sich auf so gut wie alle staatlichen und privaten Probleme anwenden lässt, vom islamischen Fundamentalismus über den Autoritarismus in der Dritten Welt bis hin zu einer gescheiterten Ehe.
        ……
        Wirtschaftswachstum ist somit zu einem wichtigen Knotenpunkt geworden, an dem sich fast alle modernen Religionen, Ideologien und Bewegungen treffen. ……. Zitat Ende

        Gruß Werner
        P.S. wenn es Dich tröstet, auch in meiner Familie gibt es eine von der Sorte Deiner Tochter, die uns durcheinander wirbelt.

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      3. Hallo Werner! Die ideologische Färbung im Kommentar meiner Tochter war eine astreine Provokation . Das Weib fightet mit allen Mitteln, wenn sie sich selbst provoziert fühlt. Sie ist dann auf der Jagd nach einer gepflegten Auseinandersetzung im Sinne von Florettfechten. Säbel sind nicht ihr Ding. Die Streitsucht hat sie wohl von mir geerbt.

        Harari’s Erklärung im Zitat ist klassisch, und falsch. Sie setzt den Idealzustand einer Gesellschaft voraus, in welcher der wirtschaftliche Erfolg eines Wachstums allen
        Klassen gleichermassen zugute kommt, wo Gemeinnutz Priorität hat vor Eigennutz, wo solidarisch gedacht und gehandelt wird. Muss ich an Warren Buffet erinnern, der sich öffentlich zum Krieg Arm gegen Reich bekannte und aufrichtig erklärte, die Reichen würden gewinnen? An die Steuerflucht von Grossunternehmen? Und ….. und ….. und ….. bäääh! Scheiss Fakten!

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      4. Lieber Roland, ich glaube, dass wir beide alt und erfahren genug sind, zu wissen, dass es gar nicht darum geht, was richtig ist und was falsch. Sondern es geht ganz alleine darum, was das Rad am Laufen hält, was den Leuten das Gefühl gibt, alles hat einen Sinn, dass wir unsere Corona und Hochwasserschäden tilgen können, dass die jungen Leute unsere Renten bezahlen können und und und. Und das geht nur mit .. na sag es …… Also wären wir uns ja doch schon Mal einig.
        Gruß in den Norden.
        Werner

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      5. Lieber Werner, in einer heilen Welt stimmt, was Du zum Wachstum sagst. Nun kann man sich darüber ereifern, was eine heile, und was eine kaputte Welt ist. Ich sage, unsere Welt sei kaputt. Wenn eine Frau Klatten aus ihren BMW-Anteilen einen jahresertrag von 800 Millionen kassiert und bekanntlich dafür keinen Finger krumm macht, und wenn gleichzeitig Personal abgebaut wird und Familien in Not geraten, dann ist – so sage ich – dort die Welt kaputt und das Wirtschaften zur Perversion gediehen. Dieses Beispiel zeigt, dass soziale Intelligenz an den Rand getrieben wird und der Egoismus die Szene beherrscht.
        Und wenn die KKK 8 Drohnen kauft, Spielzeug für die Träger des Goldenen Portepees, und gleichzeitig 120 Badeanstalten wegen Geldmangel dicht machen müssen, dann habe ich kapiert, dass die üblen Sitten nicht nur in der Privatwirtschaft, sondern auch in den Amtsstuben bestimmen.

        Ich bin ein friedlicher Mensch, und – wie Du sagst – alt genug, in der Realität zu bleiben. Aber mal im Ernst: Muss mir gefallen, was ich sehe? Und nochmal im Ernst: Als ich jung war, erreichte mich die Kommunalpolitik, die Wirtschaft blühte wie nix Gutes usw. Heute habe ich die Möglichkeit, mich in der gesamten Welt umzusehen, und man bekommt Transparenz zum Weltgeschehen, weil deren Verhinderer alle in Deutschland sitzen und mir mit ihren mehrfach gefilterten Nachrichten ein Wolkenkuckucksheim unterjubeln wollen. Anderswo gehts zur Sache, auf den verschiedenen Nachrichten-Channels. Dort streiten sogar die Hammerskins für ihre Sache, mit Heil Hitler und allem anderen Schnickschnack.

        Zugegeben: Wer zum Glätten der Wogen in Fatalismus taucht, lebt gesünder. Mir ist das zu langweilig. Ich habe das Glück, eine kluge und innerlich engagierte Tochter zu haben, mit der ich beim Morgenkaffee sitzen und diskutieren kann, was gelegentlich 4 bis 5 Stunden braucht. Dann ist der halbe Tag um, und er hat gut angefangen. Dumm für mich, dass es mit dem Home office vorbei ist. Wir müssen uns neu organisieren.

        Die offenen Info-Kanäle haben allerdings einen gravierenden Nachteil. Mein Bild von der Welt mit allem, was drin ist hat sich so sehr geschärft, dass ich mich irgendwann vor dem Gesamtbild fürchten werde. Beispiele sind die USA. Was die ARD über Trumps Tun und den Weg Britanniens in den absoluten Feudalismus – die Demokratie haben sie ja abgeschafft – also was die berichten ist ca. 80% dessen, was amerikanische und britische echte Journalisten ausgraben und publizieren.

        Ich fühle mich an El Greco (16. Jahrhundert) erinnert. Je mehr er über die Menschen lernte, desto düsterer wurden seine Bilder, bis er schliesslich in einem nahezu finsteren Genre seine absolut realistischen Bilder malte, in der römischen Gesellschaft und beim Klerus in Ungnade und nach Spanien auswanderte. Toledo hat ihn aufgenommen, und profitiert heute noch davon.

        Wenn Du nun sagst, alle Info’s seien unnützes Wissen, da ich damit nx anfangen kann, dann sage ich: Bravo! Treffer mittschiffs! Einer-Kanu versenkt!

        Nein, es ist so, dass ich ein virtuelles Puzzle mit 10.000 Teilen vor mir liegen habe und jeddes mInfo-Teilchen richtig einsetzen will, um zu schauen, welches Bild sich ergibt, wie sich etwas verändert etc. Es ist einfach Neugier und konkretes Interesse am Weltgeschehen. Ich werde das Puzzle nie fertig kriegen, denn es regnet die Teile nicht. Man muss sie ausgraben. Das Ergebnis aller Mühen: Ein komplettes Bild ist eine Illusion, und so einen Scheiss muss man nicht analysieren. Aber er hält mich am Leben. Ich kann mich an der Vorstellung aufgeilen, dass die Klatten 800 Mio. fürs Nichtstun kassiert und ihrer Maniküre dann den Mindestlohn von 9 oiro 60 zahlt! Das hat doch was, oder?

        Immer schön fröhlich bleiben!
        Gruss Roland

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      6. Lieber Roland,
        Du legst Dich in der Sache ja mächtig ins Zeug. Dafür Danke und Respekt.
        Für mich wollte ich eigentlich im Wesentlichen nur die Wirkweise aufzeigen, wie der Wachstumsgedanke im Prinzip alle Bereiche unseres Lebens zu tiefst beeinflusst und nach heutigem offiziellen Denken nach wie vor als Motor für Wohlstand, Freiheit und alles andere sonst verkauft und für die Zukunft als unverzichtbar erklärt wird.
        Dass dabei verschiedene Kulissen hochgezogen werden, um uns bei der Stange zu halten ist ja nicht neu, und dass es Verfehlungen und Auswüchse jeder Art gibt ist auch für mich offensichtlich und kotzt mich genauso an wie Dich. Und klar ist, je größer das Wachstum ist, desto größer auch die Pfründe, die bewacht und verteidigt werden.
        Und ich bin überzeugt, wenn wir verstehen und verändern wollen, dann nicht wie eine Cortison-Salbe die Symptome unterdrücken, sondern da müssen wir an die Wurzel gehen und das System dahinter verstehen.
        Gruß Werner

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    2. Geld ist rein fiktiv…zudem es keine Golddeckung mehr gibt.
      Für Kredite braucht es kein Geld. Diese können auch ganz einfach per Arbeits- oder Sachleistung geleistet werden.
      Auch hierzu braucht es Wagemut …oder korrekter Vertrauen in die Redlichkeit des Geschäftspartners.
      Gleichgültig ob monetär oder nicht…Kredite werden häufig eben nicht in Investitionen in die Zukunft – Stichwort: Nachhaltigkeit zum Nutzen aller anstatt zur Vermögens-/Machtvermehrung der top 5 % – geleistet, sondern um kurzfristig zu spekulieren…meist ohne Werte zu schaffen, denn das würde dauern, Partner, Teilen und Risiken bedeuten.
      Unbegrenztes Wachstum bei begrenzten Ressourcen inkl. Kaufkraft und hemmungsloser Gier gibt es nicht. Darum gibt es auch keinen Wohlstand für alle.
      Fragt sich auch, wie man „Wohlstand“ definiert.
      Wollen wir wirklich unsere Lebenszeit damit vergeuden, Geld zu verdienen, um Güter & Dienstleistungen zu konsumieren, die wir eigentlich nicht brauchen…nur damit UHNWI (ultra-high-net-wealth individuals) ihr mickriges Ego noch mehr boosten und ihrer Langweile & inneren Leere entkommen können?
      Wenn wir bedürfnisgerecht (Maslowsche Pyramide unserer „echten Bedürfnisse“) leben würden, bräuchten wir weniger Geld, müssten weniger arbeiten und könnten evtl ein zufriedeneres, freies, selbst bestimmtes, angstfreieres, gesundes und wertvolleres Leben führen.
      Da ist nicht gewollt.
      Der Wirtschaftskreislauf: Künstlich erschaffene Nachfrage-Geldbedarf-Lohnarbeitszwang-Verkauf-PROFIT-sozio-ökonomische Abhängigkeit… muss aufrecht erhalten bleiben.
      Wo kämen wir denn hin, wenn es gesunde, zufriedene und genügsame Gemeinschaften mit Menschen gäbe, die Wichtigeres zu tun haben als Ihre Lebenszeit dafür zu verschwenden, der globalen „Elite“ die Tasche zu füllen, die sie in Furcht & Abhängigkeit halten wollen!?
      Fortschritt? Es ist wohl unstrittig, dass nicht alles was so genannt wird, auch ein Fortschritt im Sinne eines größeren, nachhaltigen Nutzen darstellt. Für eine Kosten-Nutzen Einschätzung muss man ekeliger Weise schon genauer hinsehen.
      Entschuldigung, aber Ihre Denkweise ist ein wenig schlicht.

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  1. Hallo Werner,
    Danke für Deine Antwort.
    Ich habe eigentlich nur ein wenig auf den Busch klopfen wollen…Schlangen aufschrecken…und ich habe eine „flotte Feder“, die nur von meinem Mundwerk übertroffen wird. da hat mein Herr Papa recht. Nichts geht über ein gepflegtes kleines Streitgespräch.

    Du hast auch keine statistischen Fakten verwendet.
    Yuval Harari und seine 21 Lektionen für das 21. Jh kenne ich übrigens.
    Eine gute Steilvorlage für dringend benötigte Diskussionen, aber letztendlich genauso subjektiv wie jede andere Meinungsäußerung, denn letztendlich werden Zahlen & Fakten auch immer selektiert, interpretiert, in Kontext gesetzt und präsentiert. das heißt eine objektive, allgemeinverbindliche Wahrheit gibt es meines Erachtens nicht.

    Weiss-Nix, Hat-Nix und Kann-Auch-Nix

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