104 – Kuhmilch

Ich sitze auf dem Rolli vor dem Kühlschrank.
Dann erreicht mich eine Bitte.
„Gibst Du mir bitte die Milch aus dem Kühlschrank?“
In meinem alten Kopf formt sich das Bild einer Kuh.
Es ist immer eine Holsteiner Schwarzbunte.
Man nennt das dann ein Klischee.

Wie auch immer, ich öffne das Kühlmöbel,
schaue hinein.
Ich sehe keine Kuh.
Also melde ich: „Keine Milch da.“
Eine Hand schiebt sich vor.
„Geh mal weg da!“
Ich werde wuschig.
Öffne den Kühlschrank erneut: Keine Milch!
Die fremde Hand greift über meine Schulter.
Sie schnappt sich die Milchtüte.
Eine Stimme: „Die steht doch ganz vorne!“
Ich: „Hab sie nicht gesehen.“
Sie: „Gross un d bräsig!“
Ich: „Da stand keine Milch!“
Sie: „Du musst auch nicht nach einer Kuh suchen!“
Ich: „Das weiss ich auch. War wohl in Gedanken.“
Sie: „Du wirst alt!“
Ich: „Tatsächlich?“

Schaue auf die Milchtüte. Dort grinst mich eine aufgemalte Schwarzbunte an. Hab ichs doch gewusst! Ich vermute, meine Brille hat manchmal einen Aussetzer. Es ist mit dem modernen Kram ein Kreuz; je moderner solche Geräte sind, desto störanfälliger reagieren sie.

Ich hatte einen Arbeitsweg von rund 30 km. Fuhr am Feierabend nach Hause, mir war schwindelig, und ich hatte Sehstörung. Dachte, ich sollte rasch zum Doc. Aber vorher noch die Brille putzen. Griff zum Microfasertuch und versuchte das linke Glas zu putzen – die Brillenfassung war leer. Dann habe ich noch das Glas rechts geputzt, und das Glas für links gesucht. Es ruhte in der Tasche meines Sakkos. Einsetzen, aufsetzen, und der Schwindel war weg. Warum erzähle ich das? Es ist eine Warnung. Brillen sind manchmal gestört, haben Aussetzer. Und es ist nicht immer gleich ein Optiker greifbar.

Ich wollte das nur mal gesagt haben.