99 – Replik

(Dies ist eine Zwischenbilanz)

Es laufen hier Leute herum, die unseren Garten hart kritisieren. Man kann zusammenfassend sagen, dass unser Grün ums Haus als äusserst ungepflegt empfunden wird. Und ich muss gestehen, dass ich das verstehen kann. Gegenüber kann man einen Vorgarten bewundern, der im Zen-Stil komplett mit unterschiedlichen Stein-Arten gestaltet ist. Der Sand, im Zen-Garten als Darsteller für das Element Wasser geschätzt, fehlt allerdings. Da könnte ja etwas Grünes wachsen. Die Buchsbäume werden offenbar mit der Nagelschere gestutzt. Anders bei uns.

Es wird ein breiter Streifen zum Begehen gemäht. Der andere Teil der Fläche bleibt ungeschoren. Das sieht dann aus wie bei einem Bauern, dem das gesamte Vieh weggestorben ist; das verfluchte Gras wächst wie es will, und wir erleben die Berliner Tiergarten-Rasenmischung in einer fruchtbaren (Nachbarn nennen sie furchtbare) Phase. Mittendrin stehen dann so um die 25 Sträucher, die ich nicht kenne, genauer gesagt die hier keiner kennt. Aber sie sollen alle schön und nützlich sein. Eine echte Sauarbeit, bei diesem Klei-Boden in der Elbmarsch, geleistet nur von meiner Tochter! Chapeau!

Anders die Terrasse. Dort stehen Weinreben, Kiwi und Feige, sowie Küchenkräuter, und ein Katzenhaus mit E-Heizung in Grösse „Small“. Ein Fehlkauf. Ich brauche XXXXXL. Stellenweise wachsen richtige Wiesenblumen, wie man sie hier im Norden nicht kennt. Wir haben also keinen Garten ums Haus, sondern ein Biotop.

Was ist nun der Nutzen? Nun, der Geldaufwand war vierstellig. Ich zahle. Chapeau! Dagegen rechne ich ca. 500 g erstklassige Cherrytomaten, eine Handvoll Walderdbeeren und zwei (2) Himbeeren. Der einzige Apfel hat kapituliert und ist vom Baum gefallen. Möhren und Radieschen haben die Schnecken gefressen. Der Salat im Blumentopf lebt noch, ist hochgefährdet. Die Schnecke – im Spagat kriecht sie nun im Salat. Schnipp schnapp, so handelt in der Not die Gärtnerin – macht Schnecken tot! Das Aus kommt mit dem Scherenschnitt, der Tod nimmt dann zwei Halbe mit! Oder so.

Wir werden das Jahr 2021 mit tiefroten Zahlen abschliessen – das ist auch nicht lustig.

Andere sind besser dran. Es gibt Insekten, auch Schmetterlinge satt, Mäuse, ein Igel, 6 bis 7 Katzen, eine gesundete Wurm-Population unter Tage. Alles wie es sich gehört. Und nebenan, im Zen-Gärtchen? Ja, auch da ist Leben drin. Im Frühjahr wurden zwei braune Wegeameisen gesehen! Wenn dort ein Pfauenauge auftaucht, dann ist es ein Falter aus unserem Viehbestand auf Abenteuerreise!