97 – Sinnfrage

Keine Frage …. ich darf. Ich würde auch wollen, wenn ich könnte. Aber: Rien ne va plus.

Früher sagte man auf die Frage, wo Willy ist: Der sitzt. Und jeder wusste, wo Willy sitzt. Gefängnis, Zuchthaus, Todeszelle …. in einem dieser Établissements.
Ich sitze auch. Nur anderswo. Im Hausarrest. Meine Bindung zum häuslichen Porzellan ist nicht sehr stabil. Es würde mir also auch nicht helfen, wenn zum Besuch bei ALDI die Kloschüssel mitnähme. Nein, ich habe das nie probiert, aber gründlich im Kopf durchgespielt.

Wenn ich also nicht zu ALDI kann, wo sollte ich sonst hin? Ok, ich könnte mal kurz zum Fähranleger Lühesand fahren. Dort müsste ich meine Kloschüssel auspacken, um mich drauf zu setzen und Schiffe zu gucken. Einen Tag später findet man dann mein Foto in der Lokalpresse auf Seite zwei.

Nein, das gäbe meinem Leben auch keinen rechten Sinn. Es geht schon deshalb nicht, weil ich gar keine Verdauungsprobleme habe. Und Kloschüsseln herumschleppen – das ist nur etwas für Irre. Achte mal drauf!
Manche Menschen drücken Gesichter hin, als hätten sie tatsächlich ihren Thron mit.

Du merkst schon, dass ich auf der Suche nach dem Sinn meines Lebens bin?
Bisher war ich mit der „42“ zufrieden, nun plagen mich Zweifel. Wenn dies wirklich die Schnittmenge aus Leben, Galaxis und allem Anderen sein sollte – ich war nie da draussen unterwegs. Auch nicht als Anhalter.

In meinem Alter ist man auf Handfestes angewiesen; philosphischer Scheiss wirkt nicht mehr. Heute bin ich so sehr im Materialismus verhaftet, dass ich wieder wie ein Risch denke, nicht wie ein Adams. Heute stehen Dinge im Vordergrund wie die Rente, Essen und Trinken, Nonsens im Netz und die Gespräche mit meiner Tochter, auch um den Zustand der öffentlichen Toiletten nördlich des Polarkreises. Macht das Sinn? Nein, gewiss nicht für die Welt. Aber für mich! Dort kann man mit Exkrementen werfen, und das macht keine Flecken auf dem weissen Hemd. Versuche das mal in Hamburg, und Du landest dort, wo Willy sitzt.

Vor meinem Fenster findet Wetter statt. Ich erkenne die Botschaft: Trink Wasser, es ist reichlich da! Danke, Petrus, Du Ungeheuer!

8 Antworten auf “97 – Sinnfrage”

    1. Ich bin zu Tränen gerührt! Das ist behindertengerecht in Vollendung.
      Oder es ist ein Muss für Touristen, die Spitzbouwe oder Beulche gegessen haben`?

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      1. Lieber Roland, es ist wegen der Touristen. Aber nicht alleine, weil sie Beulches gegessen haben, sondern weil wir als innovatives Dorf in Hessen weltweit die Blicke auf uns gezogen haben. Wir haben dabei unser besonderes Augenmerk auf Nachhaltigkeit gelegt und gerade dem alteingesessenen Dorftrottel Peggie ist – weil ihm bei seiner letzten Sitzung die Sickergrube übergelaufen war – DIE Idee zugeflogen, dass das Ganze doch nur einer genial einfachen Lösung bedarf. Seitdem reisen Experten aus aller Welt an, um einen Blick auf seine Erleuchtung zu erhaschen und dem Club der Braunen Bänder beizutreten.

        https://wkastens.files.wordpress.com/2021/08/img_20210110_151452789.jpg?resize=160%2C160

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      2. Sollte Peggie nicht direkt in der Kläranlage wohnen? Das würde die kleine Gemeinde deutlich entlasten.
        Das Braune Band – eine grossartige Idee. Ist es das Teil für Bandschleifer? Kann man es beidseitig benutzen?
        Ist die Klebestelle elastisch genug, oder reisst sie Löcher? Kann man nach Verwendung mit zwei Schnitten eine Bio-Doppelacht legen und Geranien reinpflanzen?

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  1. DU schaffst es ( vergiß, was längst zum schlagwort verkümmerte – wer sagte das noch gleich? ) immer wieder, die sinnfrage im rentnerdasein saTIERisch aufzumöbeln.
    habe auch humor, eher der schwarzen art, aber NICHT IN WP, sonst versau ich mir womöglich doch noch den record an wenigen likes.

    ich geh, bzw. liege einen anderen umweg, mich von sinnfragen zu verabschieden, verzichte auf ersatzhandlungen, bleibe oft im bett, seh wochenlang filme und schaffe es in der UNtat, mein einst hyperaktives HIRN so weit runterzufahren, bis ich völlig vergesse, wo ich mich mit der ungewißheit an zukunft in der warteschleife beFINDE.

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    1. Die Sinnfrage habe ich längst durch den Reisswolf gedreht. Wenn ich doch gelegentlich davon anfange,
      dann aus Lust am Herumschwadronieren. Wenn dann Substanzielles gefunden wird – ein Versehen! Das ist nicht der Rede wert.

      Tja, ich kann Dir nachfühlen, wenn Du in Passivität badest. Ichbin allerdings darauf dressiert, mein Hirn in Betrieb zu halten, und das auf Generalisten-Art. Es gibt nur eine Kraft, die mich bremst beim Bemühendie Welt zu regieren: Faulheit. Gottlob bin ich stinkfaul – das macht einen Burnout nahezu unmöglich.

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