89 – Schlüpfrig

(Dieser Text ist für Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignert.)

Es geht um das Haareschneiden. Das Gefummel an meinem Kopf ist mir zuwider. Also lasse ich die Haare wachsen, bis sie beim Essen vorne im Suppenlöffel hängen. Dann allerdings ist der Gang zum Türken nicht mehr zu vermeiden. Ich hatte versucht, Tomatensosse wegzukämmen – dumme Idee. Nach 3 Tagen riecht man wie ein Iltis. Also ging ich zum Friseur. Der Türke ist richtig gut; in 5 Minuten ist er mit mir fertig, hat die verlangten 15 mm Länge sauber hingelegt und dazu noch die Haare im Ohr abgefackelt. Dumm nur: Er erzählt, dass eine Bekannte meine Haarpracht abholt und mit Schafwolle gemischt zu Strickwolle zwirbelt, um sich dann damit Pullover zu stricken.

Zu Hause grübelte ich ein wenig darüber und wurde urplötzlich ein wenig wuschig. Teufel, denke ich, was für ein schöner Gedanke, auf diese Weise einen nackten weiblichen Oberkörper zu spüren – Schauer liefen mir über den Rücken! Klar, Roland hat nichts davon, aber seine Haare ….. huch!

Nach einer Viertelstunde hatte ich genug von diesem Blödsinn und schluckte rasch 2 Pillen – gegen Sodbrennen. Genützt hat das nicht.
Gut, dachte ich, dann Plan B! Der besteht aus einem Schinkenbrot mit zwei Spiegeleiern. Die Eier waren rasch gebraten, sunnyside up, wie es sich gehört, und ich sass am Tisch mit meinem Brot, und bewaffnet mit Essbesteck; schliesslich ist man kein Barbar.

Ich stach mit der Gabel zu und erstarrte. Eine Frau in einem silbergrauen Pullover tauchte vor meinem geistigen Auge auf, ich gucke verlegen auf meinen Teller, und da liegt etwas, das man der Situation angemessen „Strammen Max“ nennt, und obendrauf protzen auch noch zwei Eier! Und mich packt der Zorn! Wer oder was kommt mir mit einer solchen Bildsprache, heute, am Samstag? Mir, einem alten Mann, die die 80 längst hinter sich hat?

Ist es nicht genau das, was uns Katholiken in den Beichtstuhl treibt? Soll ich dort etwa noch den Beichtvater in Schwulitäten bringen?`Nein.
Ich habe mir jetzt einen Haarschneider gekauft, und was ich damit von meinem Kopf hole, geht auf den Kompost.