87 – Koi

Ein Mann tritt an seinen Gartenteich heran.
Von der anderen Seite kommt ein Koi.
Der Fisch stoppt am Ufer und wartet.
Der Mann kniet nieder, formt mit seinen Händen eine Schale.
Er hält die Schale ins Wasser.
Der Koi schwimmt hinein und hält inne.
Der Mann holt nun den Koi aus dem Wasser.
Der Fisch beweist Bierruhe.
Der Mann wirft den Fisch in die Teichmitte.
Der Koi kommt zurück, in die Hände des Mannes.
Der wirft den Fisch erneut.
Der Koi kommt zurück, will wieder fliegen.
Der Mann spielt das Spiel so 10 x, macht dann Schluss.
Er geht dann einige Schritte am Ufer entlang.
Der Koi folgt ihm und steht wieder erwartungsvoll im Wasser.
Offensichtlich, Schluss machen ist nicht sein Ding.

Ich habe mir das Video mehrfach angeschaut. Hinterher habe ich mich gefragt, ob ich immer noch guten Gewissens ein Matjesbrötchen essen könne.

Nun ist ein Zierfisch wie der Koi fein raus, keiner möchte ihn auf dem Teller sehen. Aber was ist mit seinen weniger prominenten Artgenossen? Was würdest Du empfinden, wenn Du vor Laboe in der Ostsee stehst, und es käme ein Hering zu Deiner Hand, um am kleinen Finger zu nuckeln? Na? Heringssalat mit Rote Bete?

Ich habe gelernt, jede Kreatur zu respektieren. Und nein, ich umarme keine Bäume. Aber bei einer Eiche mit 5m Umfang und 600 Jahre auf dem Buckel empfinde ich Ehrfurcht.

Und bei Menschen? Vergiss es! Es sei denn, ich darf ihn 10 x in einen Gartenteich werfen. Oder er ist 600 Jahre alt. Dann komme ich wohl ins Grübeln.