84 – Welten

Ein Mensch wird geboren und landet in der Welt der Erwachsenen.
Und dies im Alter von null Jahren. Ein unabwendbares Schicksal. Dumm nur, dass die Welt der Erwachsenen eine Fiktion ist. Tatsächlich hat jeder dieses Panels seine eigene Welt, aufgebaut wie eine Sandburg auf dem Kniepsand von Amrum.

Weiter gedacht: Unzählige Panels leben in eigenen Welten. Das beginnt mit unserem Universum, reicht über die Welten der Bienen, der Termiten, der Wildschweine und endet bei Mikroben, Viren und Bakterien. Alle Welten funktionieren so, wie die Bewohner es brauchen.

Ich finde, dass dies eine unglaublich gute, chaos-vermeidende Organisation ist. Unsere Pandemie ist nichts weiter als eine Panne – Mensch und Virus kamen sich irgendwie ins Gehege, nun herrscht Krieg.

Wir Menschen leben anscheinend hinter Vorhängen, die uns den Blick auf unsere Welt behindern. Wenn irgendwer oder irgendwas diese Vorhänge beiseite schiebt, erweitert sich das Bild, und es wird deutlich bunter. Achtsame profitieren.

In meinem Fall sind die Katzen beteiligt. Die Gemeinde der Katzenbesitzer ist auf wundersame Weise intern solidarisch. Man trifft sich zufällig und empfindet so etwas wie Seelenverwandtschaft, öffnet sich und erzählt bis hinein in die Privatsphäre, und irgendwann zählt man zu den „guten“ Bekannten. So gings bei meiner Tochter – die mir dann Erlebtes weitererzählt.

So wurde ich zum stillen Beobachter einer Symbiose der Katzen- und der Menschenwelten. Darum weiss ich nun, dass in unserer Nähe eine Bäuerin in einem Zelt-Tunnel Kürbis und Zucchini angepflanzt hat und diesen Früchten nun unentwegt Mozart und Pavarotti vorspielt. Wozu? Ich weiss es nicht. Aber dieser Fall ist ein Beispiel für Events, die sogar meine Welt ein wenig bunter erscheinen lassen.

Wenn ich daraus etwas Allgemeingültiges lernen sollte, dann ist es so, dass es einen Weg aus der Einsamkeit gibt. Man muss sich nur bemühen, einen Haken zu finden, an den man seinen Hut hängen kann. In meinem Falle war der Haken unser Hund, und bei meiner Tochter sind es die Katzen. Tiere sind wohl immer gut für die Entwicklung von Sozialkontakten, aber es gibt viele Wege dorthin.