80 – Mangold

Das Gemüse meiner Sehnsucht! Frag mich nicht warum. Ich habe in meinen 81 Lebensjahren meines Wissens noch nie Mangold gegessen. Und was soll ich sagen? Gestern kam er auf den Tisch, als Beilage zu Dingern, die man offenbar Maultaschen nennt.

Wenn ich mich den Maultaschen zuwende, so habe ich beobachtet, dass sie den ukrainischen Vareniki aufs Haar gleichen. Das Wesentliche: Es sind Teigtaschen mit was drin und ordentlich zugemacht. Offenbar isst man sie heiss aus der Suppe oder der Pfanne. Letzteres war das Angebot gestern zu Mangold. Was in der Maultasche ist, weiss ich nicht. Man spricht von Hackfleisch, ich dagegen spreche von ‚undefined‘. Essbar sind diese Dinger allemal. Erstens passen sie so eben noch ins Maul (Maultaschen!), und zweitens gab es keine Nebenwirkungen. Mit Schmelzzwiebeln wäre sogar ein wenig Geschmack dazu gekommen, aber das war offenbar nicht erwünscht.

Zum Mangold. Der lag unbearbeitet vor mir wie grüne Fusslappen. Aber er wurde fein gehackt, die Stiele gewürfelt, und alles in einer Pfanne geschmort. „Danke für Obst und Südfrüchte!“, das dachte ich nach dem ersten Bissen. Ich hatte sofort ein bitteres Stielende erwischt. Für sowas habe ich ein goldenes Händchen. Anschliessend versuchte ich, den Eigengeschmack des Gemüses zu entdecken – vergeblich. Und während ich Gabel um Gabel in mich hineinschaufelte, wuchs meine Enttäuschung. Mangold sieht wie Fusslappen aus, schmeckt aber noch nicht mal so. Vor meinem geistigen Auge wurde die Schüssel mit Spinat und Spiegelei immer grösser – dabei bin ich kein Fan dieser grünen Mumpe!

Dennoch ein voller Erfolg. Nun weiss ich, was ich nie wieder essen werde. Ich werde Mangold anpflanzen – als Zierstrauch, im Garten. Wenn wieder einer mit Mangold in den Pfoten meine Küche betritt, fliegt er raus, mitsamt seinem Fusslappen-Gemüse.
Und erzähle mir nicht, ich hätte ihn in Himbeersirup kochen müssen, um Geschmack ranzukriegen. Ich bin Purist, und ich weiss, dass man aus Kuhfladen keine Venus von Milo kneten kann. Jedenfalls ist der Mangold-Pfanne keine leckere Aphrodite entstiegen. Das wäre mir aufgefallen.

Dieser Text kann als Warnung verstanden werden.

5 Antworten auf “80 – Mangold”

    1. Danke für den Rüffel! Wir haben gewusst, dass man den Mangold anders verwertet, als wir es getan haben.
      Wir haben ihn „pur“ versucht, nur zum Kennenlernen. Mag sein, es ging daneben, weil er zu spät geerntet wurde.
      Ich hatte jedenfalls auf meinem Teller Schweinkram. Man kann doch alles falsch machen – falls Du recht hast.

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  1. Der mangold war in Kräuterbutter und frischem Knoblauch in der Pfanne gegart und mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt.
    Die gegarten Steinpilzmaultaschen wurden in derselben Pfanne kurz angebraten, wie es die Shanghai Chinesen mit Ihren Mantou machen.

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  2. ….und nicht zu vergessen der Mangold wurde von ir eigenhändig auf einem Demeter-Hof geerntet, wo der Gemüsegarten 6 Stunden pro Tag mit Mozart bespaßt wird.

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