77 – Achtsamkeit

Einsamkeit plus Sieben ergibt? Unsinn. Einsam wird ein Mensch, der seine Welt ablehnt, oder der von seiner Welt abgelehnt wird. Welt?
Es ist seine, der wahrgenommene Teil jenes Teils der Welt, den er wahrnehmen könnte, wäre er offen dafür.Schauen wir mal:

Ein Mann geht die Strasse entlang. Er umrundet eine grosse Wasserpfütze, und geht weriter. Bemerkenswert?

Ein Kind geht die Strasse entlang. Es sieht eine grosse Wasserpfütze, und darin schwimmt ein gelbes Blatt. Birke. Im Wasser spiegelt sich ein Stück Wirklichkeit, von Haus und Birke. Das Kind vergisst seinen Weg, denkt sich ein Spiel aus und beginnt zu spielen. Es wurden kindliche Sieben hinzugefügt.

Ein Mann geht die Strasse entlang. Er sieht die Pfütze, die Spiegelung und das Birkenblatt, bleibt stehen und schaut lange hin. Aesthetik und Harmonie des Strassenbilds berühren ihn, seine Sinn e erweitern sich. Ein wenig Chopin dazu, denkt er, und als ein wenig Wind aufkommt und das gelbe Blatt an den Rand des Gewässers treibt, wendet er sich ab und geht weiter. Der Gedanke an den besonderen Augenblick lässt ihn nicht los. Für den Moment ist er mit seiner Welt versöhnt und mit ihr und mit sich in Frieden. So könnte eine Erwachsenen-Sieben beschrieben werden.

Und die Wirklichkeit? Mal ehrlich: Wir durchleben den Tag unachtsam, und wir nehmen unseren Körper nur noch wahr, wenn ein Toilettengang gefordert ist. Der gelebte Gleichmut liegt deutlich unterhalb der Null-Linie für Empathie, der „Alltag“ treibt uns an die Grenze der Idiotie, und es kostet uns viel Energie, dieser Strömung zu widerstehen.

Ich denke nach. Doch, einen praktikablen Tip habe ich zur Hand.
Gestalte den Abend, wie Du das immer machst. Meinetwegen auch mit der Shopping Queen. Aber gehe erst zu Bett, wenns stockdunkel ist.
Zuvor allerdingslösche alles Licht, zünde eine Kerze an und nehme Dein Lieblingsgetränk zur Hand – bei mir ist es Scotch oder Cognac, 3-fach. Mache es Dir damit in einer Polsterecke gemütlich. Bitte kein Radio, kein Fernsehen. Dann geniesse Dein Gesöff in kleinen Schlucken.

Dann bist Du vermutlich ganz bei Dir, und bei Deinem Getränk. Du geniesst beides: Dich und den Drink. Ich habe dabei nie einen Zweiten gebraucht. Glas leer = Couch leer = Bett voll.

Ich vermute, so geht Achtsamkeit. So sollte man drauf sein bei allem, was man tut. Lässt man sich darauf ein, so gehen nach und nach tausend Lampen an, und das Leben wird ein wenig heller.