61 – Schnecklich!

Ich nenne sie Penthesilea, die Amazone, kurz: P. Sie hat jahrelang Kampfsport gemacht, im wesentlichen Krav maga, also mit Vollkörperkontakt, und Karate. Ich spreche von P., meiner Tochter.


Bei einem israelischen Trainer lernte sie, wie man einem Gegner das Genick bricht.

Ich denke, dass ihr dazu die Praxis fehlt. Nun kann sie dieses Defizit beseitigen. Wir haben im Garten nämlich ein Schneckenproblem. Naturnah gestaltet beherbergt dieses verfluchte Land hunderte, wenn nicht gar tausende dieser Nacktschnecken, die man nicht in Kräuterbutter getaucht isst. Anders: Die Riesenwegschnecken versuchen, den Garten leerzufressen. Salat und Radieschen sind erledigt. Diverse Blumen dito. Very british, dieses Verhalten. Nicht pflanzen, aber ernten! Nun geht P. täglich am Abend los und sammelt Nacktschnecken ein. Vermutlich tötet sie diese Tiere, wie sie es gelernt hat. Wenn sie aber zu viele davon erwischt, greift sie zu einer Papierschere. Dann werden aus 200 ganzen rund 400 halbe. Es ist wirklich gruselig. Auf lausigen 700 qm wird gestorben wie im antiken Griechenland, wenn die Anazonen mitgemischt haben.

Daneben stehe ich, eine jämmerliche Gestalt mit einem Tütchen Ferramol-Schneckenkorn in der Hand und flehe inbrünstig: Nimm hin! Nimm hin und streue! Aber das barbarische Gemetzel findet sein Ende erst, wenn die letzte der Schnecken geteilt im Eimer liegt.

Ich starre in den Kübel und glaube zu erkennen, dass zwei Halbe nicht immer ein Ganzes ergeben, auch wenn zwei halbe Bier schon eine ganze Menge Bier sind. Aber ein Ganzes in zwei Halbe geht wieder.

Hmmm ….. muss am Bonding liegen …..

  1. …die Möhren sind auch nieder gemacht genauso wie der duftend-aromatische3 Basilikum, der Thymian und das Rosmarin!

    Kurzum, meine letzte Hemmschwelle ist dahin. Bei kleinen Mengen von Schnecken….ja, da nehme ich die Handguillotine, wie online übrigens empfohlen. Ein schneller Tod.
    Bei größeren Invasionen wie nach Regen kommt der Eimer samt Einweghandschuhe zum Einsatz…und den schleimigen Kriechheuschrecken…ihres Zeichens „spanische Wegschnecken“ ohne Fressfeinde in unseren Graden….werden zu einem unappetitlichen Süppchen mit kochend heißem Wasser über brüht. Auch eine Empfehlung aus dem Internet.
    Wenigstens müssen sich die spanischen Einwanderer nicht quälen wie bei einer Vergiftung. Der Anblick ist jedoch gruselig.
    Die gnadenlosen Viecher haben es insbesondere auf meine prächtigen
    Lupinen und Rittersporn abgesehen. Machen sie sich über eine Pflanze her, bleibt nur der blanke Stil….und der blanke Zorn der seit Monaten schuftenden Gärtnerin, die ihr engagiertes, nicht gerade kostengünstiges Terraforming-Projekt gefährdet sieht.
    Unglücklicherweise sind diese glibbschigen Binge-Eater auch noch unglaublich potent. 400 Eier pro Schnecke…. kein Wunder, dass diese Nackedeis im Fressrausch unsere einheimischen Schnecken verdrängen und auch die Eier-fressende Tigerschnecke keine Chance hat, diese Bevölkerungsexplosion zurückzudrängen.
    Im Herbst heißt es also die Kinderstuben auszuheben…um das Gleichgewicht in meinem renaturierten Garten wiederherzustellen.
    Übrigens sogar indische Laufenten haben ein Problem mit diesen garstigen Plagegeistern. Die Enten drohen an den extrem zähschleimigen Nacktschnecken zu ersticken, wenn man Ihnen nicht Wasser zum Waschen der Schnecken bereit stellt.
    Ich sehe mich also eher als eine bestandspflegende Schneckenförsterin und nicht als Täterin eines brutalen Genozids.
    Zumindest habe ich mir das jetzt so zurecht gelegt. Vor meinen Schneckenfriedhof unter dem Kirschlorbeer gruselt es mich dennoch. Gärtnern ist nichts für Weicheier!

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