53 – Müde

Seit Monaten quält mich eine bleierne Müdigkeit. Sie liegt über mir wie ein Sack Kartoffeln und verfolgt mich bis tief in den Tag hinein. Erreicht sie einen Kulminationspunkt, dann schickt sie mich ins Jenseits. Wo immer ich bin., was immer ich tue ….. ich klappe weg, einer Ohnmacht gleich, und hänge einer toten Makrele gleich mit offenem Mund in der Landschaft. Die Vorstellung, dass mir solches während einer Autofahrt passieren würde, macht mir eine Gänsehaut. Somit ist es vorbei, das zweifelhafte Vergnügen mit meiner Karre. Ich möchte nicht, dass auf meinem Grabstein steht: „Leichen säumten seinen Weg …..“

Man hat mich meiner Entscheidung wegen ein wenig bemitleidet – zu Unrecht. Ich vermisse das Auto nicht. Ich brauche das nicht.

Hier im Norden fällt auf, dass viele alte Damen hinter dem Steuer randalieren. Neulich waren es bei uns 4 in einem Monat. Sie löschen die Vorfahrtsregeln aus der StVO, verbeulen andere beim Ein- und Ausparken beim Supermarkt oder kommen mit den Pedalen ins Tüdeln. Besonders beliebt für attraktive Blechschäden ist in Hamburg die Waitzstrasse. Viele Alte mit viel Auto und wenig Platz; da fährt auch schon mal eine goldbehängte 87ig-jährige beim Fischhändler bis direkt an die Theke, und die 12 kg-Meerforelle im Schaufenster erlebt einen zweiten Tod.

Eines muss man den Damen lassen, es fliesst nur selten Blut. Da sind sie sehr zurückhaltend. Man befindet sich schliesslich nicht in einem Krieg.