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Wieder mal: Ich

Ich war wohl schon immer einm wenig sonderbar, und dies auf eine Weise, die ich selbst nicht verstehe.

Würde man mich als sozialistischen Atheisten bezeichnen, so könnte ich dies als Auszeichnung empfinden und wäre ein wenig stolz. Leider geschieht nichts dergleichen, und ich muss mich mit nichts zufrieden geben.

Muss ich? Natürlich nicht. Man muss nicht darauf warten, dass etwas gegeben wird. Man kann es sich auch nehmen. Oder reell kaufen. Meine Frau und ich haben uns ziemlich viele Reisen gekauft. Und auf Reisen habe ich mir genommen, was einem Atheisten eventuell nicht zusteht. Ich habe Kirchen gesammelt. Nein, nicht die Institutionen, sondern die Bauwerke. Sie ziehen mich an wie ein Magnet, und ich „erlebe“ Kirchen, ohne Orgelkonzert, oder mit, wie in Passau (8.000 Pfeifen!), von Romanisch wie der Sandsteindom in Speyer bis zu Neugotisch wie die Sagrada Familia in Barcelona, dieses licht- und luftdurchflutete Meisterwerk des Antonio Gaudi. Im Dom zu Siena hat esd mich dann voll erwischt. Ich fühlte mich dort im Wortsinne „zu Hause“.

Bis zu dieser Stunde verstehe ich nicht, woher diese Affinität zu Kirchen kommt. Vielleicht ist in meiner Kindheit etwas schief gelaufen. Mag sein, dass ich ein falsches Buch erwischt habe.

Es gibt diesen guten Rat an Touristen: Berge von unten, Kirchen von aussen, Kneipen von innen! Es ist ja gut gemeint. Aber Kirchen von aussen interessieren mich wenig. Gut, es gibt Ausnahmen wie die Lamberti-Kirche zu Münster, wo hoch oben am Turm eiserne Käfige hängen. Dort hatte man die Leichen von drei zu Tode gefolterten Wiedertäufer als Warnung ausgestellt.
Diese münsteraner Katholiken! Für Späßle sind sie immer zu haben, und für Pinkus Müllers Altbierbowle!