Nachgedacht

Schwer verdauliches (Kein Pilzgericht)

Selbst in Stein gesetztes Menschenwerk hat in der Natur keinen Bestand. Irgendwann – und Mutter Natur ist geduldig und hat endlos Zeit – also irgendwann bekommt sie zurück, was man ihr genommen hatte. Und sie verwertet, was sie vorfindet.

Da war ein Wasserschlösschen, Menschen haben es gebaut, Menschen haben es zerstört. Mutter sagt „Her damit, ich mach was draus“, und sie macht alles grün, ihre Basisfarbe für den blauen Planeten. Nun könnte man sich fragen, wer oder was die Natur eigentlich ist.

Ängstliche und Ratlose flüchten bei dieser Frage umgehend in die Religion. Dort bekommt man, was man braucht, und was Sicherheit gibt. Ich habe keine Religion, muss auf dieses bequeme Bettchen verzichten. Anders gesagt: Ich stehe im Regen.

Nun muss ich gestehen: Ich mag das überhaupt nicht. Andererseits: Gäbe es Antworten – ich würde sie nicht begreifen können; dazu fehlt mir Hirn. Zum Aufgeben fehlt mir der Charakterzug; ich bin ein Pitbull, allerdings mit schlechten Zähnen. Was passiert? Ich formuliere mir tatsächlich infantile Fragen bis hinein in die Astrophysik – und bleibe kleben.

Auf die gleiche Weise gehe ich in die Welt der Chemie, so um die Frage, warum Wasser lila wird, wenn ich Kaliumpermanganat einrühre, und tiefer – und bleibe kleben.

Dann sitze ich da und starre aus dem Fenster; siehe da, ein erster Lehrsatz formuliert sich fast von selbst:

Die Natur ist wie eine Leberwurst. Sie hat wie diese oben und unten einen ungeniessbaren Zipfel.

Zweiter Lehrsatz:

Alles, was wir kennen, ist drinnen in der Wurst. Ob ausserhalb etwas existiert, wissen wir nicht.

Numero drei:

Die Natur ist ein axiomatisches System. Es gibt nichts, wovon sie abgeleitet werden könnte. Darum sind tiefer gehende Fragen unsinnig.

Es ist gleichgültig, an welchem Wurstende man sich festgefahren hat, ob ganz oben in der Vielzahl der Universen oder ganz unten in der Chemie vor einem Gaschromatographen. Ich stehe auf einer Schwelle nach draussen, will dem Dilemma entkommen – eine Schwelle, die direkt in die liebevollen Arme eines Mitglieds der Götterwelt führt. Teuflisch! Da trete ich doch erst mal drei Schritte zurück!