Leichte Kost

Butterfly

Ich habe es ihm nie verziehen. Und ich werde meinen Zorn mit in mein Grab nehmen. Er hat sich als Mistvieh erwiesen, dieser Kohlweissling. In der „schlechten Zeit“, unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg hatte mein Vater Kohlpflanzen aufgetrieben, diese ordentlich, also mit Grün oben in die Erde gesetzt, und dann kamen sie, jugendlich, stark und gefrässig. In einer Nacht hatten sie, noch als Raupen, alle 5 Kohlpflanzen weggefressen. Die sind fett geworden, und ich bin mager geblieben, in dieser Zeit des Mangels.

25 Jahre später habe ich mir einen davon gegriffen. Sie kroch nicht mehr, sondern flatterte. Es war unnütz. Ich abe weder einen Bezug zu Kohl herstellen können, noch hat mir irgendwas verraten, wie man das Vieh mit dem geheimen Wissen eines Bundeskanzlers in Verbindung bringen könnte.
Allerdings habe ich nicht sauber analysiert. Ich hätte die Beziehung umdrehen müssen. Was also hatte Kohl mit dem Kohlweissling gemeinsam? Gewiss war es nicht das Abfressen von Weisskohlsetzlingen. Unser Überkanzler ist vielleicht von Saumagen zu Bratwurst, von dort zu Rippchen mit Kraut geflattert, wenn er Oggersheim und die Pfalz heimsuchte?

Im übrigen: Schmetterling? Da wird kein deutsches Volksgut geschmettert.
Butterfly? Lächerlich. Noch nie hat so ein Tier ein halbes Pfund Butter an die Front geschmuggelt. Raupen machen, die Weisskohl fressen, das können sie.
Schädlinge sind sie, oder etwa nicht? Wer keinen Kohl verträgt, hat da sicherlich seine eigene Sichtweise. Jedenfalls wäre „Flatterlinge“ angemessen, und für Gänse und Enten „Schnatterlinge“; Schmetterlinge gehören in den Kirchenchor. Butterfly – lächerlich. Betterfly wäre noch akzeptabel. Manche Vögel wären mit Bitterfly auch zufrieden.

Und ein Kohlweissling frisst nicht wie Kohl, sondern er frisst Kohl. Das kann man doch deutlich machen, oder?

(Nun habe ich Korrektur gelesen. Mein Gott, was für ein Schwachsinn!)