Leichte Kost

Wohnungsnöte

Ich meine, man sollte würdigen, was man sich im Laufe eines Lebens erarbeitet hat.

Richtig, den Herzinfarkt nicht. Aber gewiss den bescheidenen Wohlstand. Wenn man in seiner eigenen Hütte wohnt, alles ist bezahlt, man zahlt keine Miete – ein gutes Gefühl. Man schaut aus dem Fenster in die Welt, traut seinen Augen nicht mehr über allem Elend, das man wahrzunehmen gezwungen ist, und Mitgefühl von ungeahnter Stärke breitet sich über das schlichte Gemüt.
Ich erkläre das eben mal.

Da wohnt der Führer einer grossen Nation in einem schlichten Reihenhaus in Downingstreet Number 10. Dort wohnt ein Mann mit grosser Familie. Die Anzahl seiner Kinder kennt er selbst nicht; bei 6 hat er den Zwischensand vergessen und wieder bei 1 mit dem Zählen begonnen. Bilder aus dem Inneren des Hauses verführe rasch zu dem Eindruck, in ein türkisches Bordell zu schauen. Weihnachten mit der gesamten Familie muss er wohl in der Royal Albert Hall feiern

Schauen wir weiter. Da ist die bedauernswerte deutsche Bundeskanzlerin, die in einem Beton-/Glas-Gebilde wohnen muss, das an eine geöffnete Heringsdose erinnert. Vergnügungssüchtige Touristen suchen mit Feldstecher die Bungalowfront ab nach dem Standort der Kloschüssel – abstruss! Man weiss nicht, wie es drinnen aussieht; allerdings weiss man, wie die Kanzlerin dasteht im ewigen Gewand, das sie „Hosenanzug“ nennt. Nebenbei: Ein Hosenanzug ohne Hose wäre ein Minikleid – gut, dass sie immer Hosen an hat. Was die Wohnungseinrichtung betrifft, so darf man vermuten, es handelt sich um eine komplette Garnitur aus dem VEB Gleisbau Trötenitz.

Nun wäre der US-Präse zu betrachten. Dieser Auserwählte, wie er sich bezeichnet, macht von sich mit seiner Bescheidenheit grossen Eindruck. Das Weisse Haus in dieser Kleinstadt ist seinem Rang und Ruf völlig unangemessen. Er weiss das, und er fühlt das – dennoch wird ihm das Wohnen im Capitol verweigert. Den Lincoln-Katafalk könnte man bequem ins Oval Office rüberschaffen. Wäre der aktuelle Präse hier erfolgreich, so würde sein Vorgänger, der Irre aus Kallstadt/Weinstrasse vermutlich durchdrehen, weil ihm der Coup in 2016 nicht gelungen ist.

Schauen wir weiter. Vor Jahren hat sich dieser Türke Erdogan in einem Naturschutzgebiet eine Bleibe bauen lassen. Man erzählte sich, diese Datsche habe genau 1.000 Zimmer, Küche und Bad nicht mitgerechnet. Natürlich ist er 1.000 mal wichtiger für den Staat als ein Schuhputzer in Ankara. Das glaubt er allen Ernstes. Oder er redet so gequirlt, um zu vertuschen, dass er dort sein ganzes, neu zu gründendes osmanisches Reich unterbingen möchte. Neuerdings scmückt er sein 490 Millionen Oiros teures Einfamilienhaus mit dem Titel „sozio-religiös“. Damit wird die Hütte weit in Richtung Moschee geschoben.

Die Russen haben ihr grösstes Wohnungsproblem gelöst. Putin hat sich auf der Krim seine Datscha kaufen lassen, ein Milliarden-Bauwerk bei Sotschi.
Das dafür notwendige Geld wurde der Einfachheit halber aus der Staatskasse gestohlen, und nun hat Vladi seinen Palast, und der war teurer als der von Erdogan, wie sich das gehört. Vladi ist 69, und wenn er mit 70 endlich stirbt, könnte er sein Häuschen noch 12 Monate geniessen. Leider, leider hat sich jedoch ein unangenehmer Bewohner eingeschlichen, ein hartnäckiger Schimmelpilz; wie man hört, hat man alles von Wert ausgeräumt, und der Schuppen steht leer. Putin haus wohl wieder in seiner klösterlichen Zelle im Kreml.

Einen haben wir noch: Viktor Orbán! Er hat sich in einem aussergewöhnlichen Reifeprozess vom Sozialisten zu einer Art Neonazi entwickelt, ein voll ausgebildeter Opportunist. Seine Fähigkeiten als politische Führungskraft sind sehr übersichtlich, eher infantil zu nennen. Ihm hat man den Prachtbau des ungarischen Parlaments (s. Bild) buchstäblich vor die Füsse gelegt, das Gebäude leidet nicht an Schimmelpilz, sondern eher die Köpfe der Politiker. Sie plustern sich auf der rechten Seite auf, ihre linke Seite wird immer dünner, und nun stehen sie da als politisch schiefe Missgeburten und verstehen nichts. Sie sind pleite, und das wird überall totgeschwiegen. Wenn jedoch externe Geldgeber die Geldbeutel schliessen, können die Ungarn ihre Bürgersteige hochklappen und ganz Ungarn dicht machen.
Wie auch immer: Das Parlamentsgebäude in Budapest ist selbst für Orbán gross genug und optisch ein Hit, wenn keiner das Licht ausmacht. Kleine, die sich groß aufspielen, sind nicht sehr raumgreifend. Das passt – und Putin ist erneut geschlagen, und diesmal ohne heimtückische mykotische Unterstützung.

Wie bitte? Oma Freriks aus Berlin-Kreuzberg? Die soll aus ihrer Wohnung?
Was soll das! Bin ich Jesus? Ich kann mich doch nicht um alles kümmern!

Die letzte Figur:

Hör zu! Hier oben bestimme ich. So habe ich Johnson mit fruchtbaren Lenden gesegnet. Merkel bekam zur Strafe für ihr Verhalten als SED-Funktionärin von mir eine Hosenanzug-Figur verpasst. Bei Trump habe ich gepfuscht, der sollte längst tot sein. Erdogan und seine ganze Bagage habe ich in das 16. Jahrhundert zurückimplantiert, Putin mit Schimmelpilz vergiftet und Orbán so gestaucht, dass er nur 155 cm misst. Ausserdem kriegte er von mir das falsche Rezept für ungarisches Gulasch; es heisst bei mir „Schweinkram“.

Das alles war ein gutes Stück Arbeit. Und nun bist Du dran, mein Sohn. Du bist Jesus, nicht ich. Mach was für Oma Freriks! Sie hat immer Eintritt bezahlt, wenn sie in die Kirche kam. Quasi Schutzgeld.

Okey?