An die WP-Besucher

Es ist wieder so weit. Ich muss in meinem Kopf die Möbel gerade rücken. Man könnte auch sagen, ich müsste mich zur Ordnung rufen.

Also, Alter, erinnere Dich: Du wolltest zu Deinem eigenen Vergnügen schreibeln. Wenn Vergnügen grenzwertig ist und zwischendurch Missmut aufkommt, ändert das nichts an der Zielsetzung. Ist das verstanden?

Wie wäre es, sich auf ein gutes, ergiebiges Thema zu konzentrieren? Geht nicht. Ich kann nichts. Also muss ich nach den wenigen Körnern picken, die so herumliegen.

Andererseits schrieb ich als einer, der nicht viel drauf hat, bis heute mehr als 1500 Beiträge. Ok, keiner liest den Kram, und ich selbst vergesse alles. Aber immerhin sind’s 1500 Mogelpackungen, und sie herzustellen macht Arbeit. Ich muss dabei ganz konservativ vorgehen: Denken, recherchieren und schreiben.

Tja, und dann denke ich vermutlich auch noch falsch, da ich unterhalten möchte, und über Interessantes informieren. Bin ich damit erfolgreich? Keine Ahnung. Auf der Info-Seite versage ich. Beispiel: Gestern schrieb ich einen sehr kurzen Beitrag mit dem Titel „Eine nette Überraschung“. Interessiert keine Sau. Dabei ist das Thema das Wichtigste unter den anstehenden 1500.
Es geht um die Zukunft der jüngeren Generationen und der noch nicht geborenen Kinder, aber keiner begreift Tragweite und Schädigung! Ich selbst beginne erst jetzt, zu kapieren: Nicht das Gesellschaftssystem fährt gegen die Wand – nein, wir, die Gemeinschaft der Bürger wird gegen die Wand gefahren.
Ignoranz wurde schon immer hart bestraft.

Ja, ich weiss: Ich male in Tiefschwarz. So redet man doch, nicht wahr? Leider ist das nur eine Killer-Phrase. Je höher das Risiko, desto intensiver das Phrasen-Dreschen! Ein Beispiel aus der Agnotologie!

So, ich bin irgendwie durch mit meinem Sortieren. Ich denke, ich sollte einfach nichts ändern.

Meine Mutter war sozialistisch bis auf die Knochen. Sie hat in der Küche oft gesungen, Lieder wie „Die Gedanken sind frei“ wurden bevorzugt. Die Gedanken sind frei? Ein Anachronismus. Schon Leute wie Orwell haben sich gesorgt, dass man mit Mitteln der Massenpsychologie und des Geldbeutels Wege zur Gedankenkontrolle finden wird. Man arbeitet heftig daran und hat Erfolge. Nein? Dann erkläre mir bitte den Trumpismus in den USA, den Feudalismus einer Betrüger-Bande in UK, die Deutschen, die Goebbels folgend den totalen Krieg wollten, die Türken, die von der Wiedererrichtung des osmanischen Reichs träumen. Irrationalität beherrscht das globale Kriegsgeschehen, bis hinunter in den Kohlenkeller, wo der berühmte „kleine Mann von der Strasse“ haust.

Nun, der moderne Deutsche lässt sich nicht so einfach einschläfern. Er ist anders gepolt: „Meine Familie wählt seit dem Dreissigjährigen Krieg 1648 die CDU, und dabei bleibt es. Schliesslich haben wir ein Geschichtsbewusstsein!“

So. Was ich hier treibe, nennt man im Norden „Nölen“. Anderswo spricht man von „Stänkern“. Mir ist das schnurz. Herumnölen ist Hygiene. Nimmt ein wenig Dampf aus dem Kessel. Wer’s nicht verträgt, muss es ja nicht lesen.

Und schon wieder zu viel Text!

4 Antworten auf “An die WP-Besucher”

  1. „Ich muss dabei ganz konservativ vorgehen: Denken, recherchieren und schreiben.“ Darum blogge ich. Und weil es mir Freude macht, meistens …Ja, es ist schöner, wenn es viele Leser gibt, aber im Endeffekt ist es für einen selbst. Übrigens bin ich der Überzeugung, dass wir die Regierung kriegen die wir verdienen, leider. Brot & Spiele tun ihr übriges. Demokratie erfodert nicht nur Information, sondern die Fähigkeit und den Willen sich vielfältig zu informieren, kritisch zu denken und mittlerweile auch Fake News zu erkennen. Du bist nicht alleine, viele sind erschrocken welche Formen die moderne Welt gerade annimmt. Meine Meinung zu den nicht gezeugt werden könnenden Kindern ist vielleicht nicht represäntativ und sicher nicht gerne gehört aber ich darf sie ja aussprechen: Ich weiß es wird einen Haufen Leid bei den verhinderten Eltern erzeugen, aber es nimmt auch Druck aus dem rasant wachsendenden ökologischen Fußabdruck der Menschheit auf unseren Planeten. Das ist saturiert von einer Mutter mit zwei Kindern und sicher auch in gewisser Weise zynisch. Die Gedanken und auch die Meinungen sind frei. Nur wer eine Meinung äußert, muss eben damit rechnen, dass diese nicht immer bei anderen positiv ankommt und womöglich Kritik hervorruft. Meine Meinung zur unfreiwillig erzeugten Sterilität ist sicher zu Recht kritisierenswert, andererseits sind diese Zusammenhänge seit vielen Jahren öffentlich bekannt und mir ist nicht aufgefallen, dass viele Bürger/Wähler etwas dagegen unternehmen. Wenn es egal ist, oder Verhaltensänderungen nötig wären zu denen niemasnd bereit ist wird immer der Profit vor dem Geimwohl stehen. Mündige Konsumenten könnten zu einem Umdenken führen aber, wie du schreibst: „Ignoranz wurde schon immer hart bestraft“ Im übrigen lese ich deine Beiträge, wenn Zeit bleibt gerne und mit Interesse
    Freundliche Grüße thurs

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    1. Herzlichen Dank für Deinen Kommentar; ich stimme Dir ohne Einschränkung zu.
      Gelegentlich gehe ich nach oben. Dann schubse ich Gott von seinem Thron und schicke ihn zum Bierholen. Nun sitze ich dort, inspiziere den Planeten Erde, ärgere mich über Pfusch und frage mich, was ich tun müsste, um alles wieder gerade zu biegen. Was soll ich sagen? Es kommt nur Zynismus pur. Vermutlich, weil das Verhalten des Gegners als zynisch empfunden wird, was den Wunsch nach Waffengleichheit weckt. In diesem Zustand kann man dann im Bette vor dem Einschlafen noch rasch ein Scheingefecht führen. Es ist wie Besoffen sein; in diesem Zustand schläft man ein, und am Morgen wacht man mit einem Kater auf, in der Realität mit ihren ungelösten Problemen. Es ist diese verfluchte Hilflosigkeit, die uns die Sicht auf die Zukunft verdirbt.

      Grüße aus dem Alten Land!
      Roland

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      1. Zynismus ist nicht hilfreich, aber legitim 😉 Ganz hilflos sind wir sicher nicht. Populismus sauber zu enttarnen und in seiner Blödheit darzustellen kann auch schon hilfreich sein. Eine (sorry, unerbetene) Buchempfehlung für schlaflose Nächte ist Stephen Greenblatt – Der Tyrann. Shakespeares Tyrannen auf ihre Arbeitsweise untersucht, kann amüsant sein, wenn sie mit den heutigen Populisten und Tyrannen verglichen werden, die leider durch social media mehr Möglichkeiten haben.

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