Natur pur

Dort, wo ich herkomme, sehen die Wiesen so aus.

Wo ich Urlaub machte, sind die Wiesen noch edler bestückt. Es wachsen Akelei und Trollblumen sowie Pflanzen, die ich nicht kenne. Dort kommt ein Bauer, mäht alles ab, und seine Kühe fressen die bunte Pracht, aber: Dort schmeckt die Butter immerhin noch wie Butter.

Da, wo ich nun bin, sind die Wiesen Monokultur; ich habe solche hektarweise gesehen, und es wuchs dort nur Sauerampfer.

Dies ist der Grund für die Mühen meiner Tochter, die gerade wieder mal Kreuzschmerzen auskurieren muss. Sie ist nun im vierten Jahr bemüht, aus Scheisse eine Venus zu kneten. Sie versucht, auf Dreck – daraus besteht unser Garten – Wiesenblumen heimisch zu machen. Unser Motto: „Wiesenblumen für eine Blumenwiese!“

Wenn ich als gelernter Pragmatiker Aufwand und Erfolg messe, packt mich, gelinde formuliert, der Zweifel mit eisernen Zangen. Aber zugleich lauert im Hintergrund ein wenig Ehrgeiz, der mit Trotz gewürzt scheint. Und der flüstert ein: Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen! In diesem Drecksboden muss einfach mehr stecken als Baumüll! Und dann passiert es. Es war im letzten Jahr, als plötzlich, also unangemeldet eine einzelne Mohnblume erschien. Doch, es war genau 1 Mohnblume. Sie sah ein wenig verhutzelt aus, so ein bisschen krank, aber sie hielt durch und blühte tapfer vor sich hin bis zu ihrem planmässigen Ende. Im Hause herrschte Hochstimmung; es wurde heftig gefeiert mit Mett-Igel und reichlich Bier. Nun haben wir unser Mohnblumenfest, immer am 13. August, aber nur, wenn der auf einen Freitag fällt.

2 Antworten auf “Natur pur”

  1. Magere Erde, niemals Dünger! viel Geduld nur zweimal im Jahr sensen und die Nachbarn fröhlich lästern lassen und dann wächst es bunt und auch mit unerwünschten Disteln … Mohnblumen allerdings sind rar und kurzlebig aber es lohnt. Weiter viel Freude

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