Kugel, blau

Diese blaue Kugel ist das, was man sieht: Eine blaue Kugel. Mehr nicht. Man kann spitzfindig herausarbeiten, dass sie so etwas wie ein Surrogat für den in Deutschland so beliebten Gartenzweg ist. Schmeiss das Ding in Deinen Garten, und es weht ein Hauch von Mystik durch den Grünkohl.

Ich denke, die Welt braucht das nicht. Man benutzt blaue Kugeln als Molch! Jagt sie per Druckluft durch Rohre, um sie innen zu reinigen. Dumm ist nur, dass man dazu auch rote Kugeln verwenden kann. Und karierte.

Ich suche weiter, suche nach Gründen, weshalb blauen Kugeln die Existenz gesichert werden soll. Finde nichts, genauer gesagt: Garnichts.

Schliesslich dämmert es mir. Blaue Kugeln sind nur bedeutungsvoll, wenn sie nicht wirklich Kugeln sind, sondern nur als solche erscheinen. Nimm zum Beispiel einen blauen Ball und lasse ein wenig Luft ab. Dann hast Du so etwas wie eine riesige Heidelbeere, und diese Früchte sind zwar rund, aber keine Kugeln. Oder denke an die blaue Kugel in meiner gleichnamigen Kurzgeschichte. Und rustikal denkende Menschen nennen einen Rotkohl „Blaukraut“ und glauben fest daran, einen greifbaren Beweis gefunden zu haben. Fragst Du, was damit bewiesen werden soll, so weht Dir nur heisse Luft entgegen. Fragst Du nach Murmeln aus blauem Glas, so wissen sie, was blau ist und was Glas ist – aber nicht, was Murmeln sind. Aus der Mode gekommen! Molche, Bälle und Schmuck-Kugeln für Weihnachten – mehr kenne ich nicht, was das Prädikat „Kugel blau“ verdient hätte.

Verlassen wir die mystischen Sphären der blauen Kugeln. Da wäre noch der dicke Risch, wenn er betrunken ist. Blau? Ja. Rund? Ja. Eine Kugel? Nein. Es sind noch Kopf und Beine dran! Sehr unvollkommen!