Würde

Zunächst ein Spässle:

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (Art. 1 Satz 1 GG der BRD)

Genug gelacht.

Je öfter ich mir dieses Foto eines Alten ansehe, desto stärker wächst der Eindruck, dass dieser Mensch, obschon vermutlich sozial abgestürzt, seine Würde zu bewahren weiss. Das ist so dahergesagt, und nicht dahergedacht. Die Menschenwürde wird – wie es gerade nützlich ist – wie ein Transparent umhergetragen, und die meisten Menschen, die kurz nachdenken, kommen zu der Erkenntnis, es gehe darum, dem Nächsten „nicht an die Farbe zu kommen“. Anders: Distanz bewahren, und die Klappe halten.

Was ist das nun für ein Ding, diese Würde? Ist es mehr als ein langes, weisses und schön gebügeltes Hemd, das man einer stattlichen Person übergezogen hat und damit deren Schweinereien verdeckt? Hänge einer Knalltüte die Amtskette des Oberbürgermeisters um; dieser Mensch bleibt doch wohl eine Knalltüte, oder? Nun soll angeblich das Amt gewürdigt werden. Ergo muss ich die Würde der Amtskette achten und sichern? Einen Haufen Blech?

Nun bin ich auf Glatteis geraten. Ich mache es mir einfach:

Unfug! Würde ist ein Grundrecht, und daraus leiten sich die Menschenrechte ab; sie sind die Basis für die Verwirklichung der Menschenwürde. Fehlen die Menschenrehte, so ist die Menschenwürde im Eimer.

Daraus ergibt sich, dass jedermann seine Würde garantiert sein sollte, sei er nun ein Gangster, ein geistig Behinderter oder ein „Normalbürger“. Würde manifestiert sich im Umgang mit Menschen durch Respekt, Toleranz, Empathie usw., und vor allem anderen durch die Anerkennung der Individualität.
Und bitte, der Mensch möge gefälligst auch selbst auf seine Würde achten, sie hegen und pflegen, und sich davor hüten, auszurutschen und in Hochmut zu verfallen.
Es gilt: Je hochmütiger, desto würdeloser!