Eine halbe Halbe

Wie skurril!
Da steht doch tatsächlich ein halbes Bier einsam am Bürgersteigrand!
Ein Opfer des Covid-19-Virus?
Was ist heuer angesagt?
Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr.
Da hat einer um 9 sein Bier abgestellt und ist nach Hause gesprintet.

Und nun?

Morgen früh um 5 ist das Bier tot. Ein unrühmliches Ende.
Oder es kommt ein Obdachloser vorbei und trinkt aus. Ideal!
Vielleicht kippt ein Passant das Glas um. Ein Unfall. Pech.
Einer will das Glas, aber nicht das Bier. Auskippen ist kriminell.
Kann sein, ein Hund kommt vorbei und säuft leer. Ideal, aber die Töle kotzt.
Eine Maus fällt rein, ertrinkt. „Es wird ein Bier sein, und I werd nimmer sein!“
Oder einer kommt vorbei, sieht hin und wieder weg. Ignorant, elender!

Unsinn. Es läuft anders. Ich komme vorbei. In Latschen. Greife mir das Glas, und bin 10 Sekunden später wieder im Haus. Ich fische den Strassendreck aus dem Bier, rühre rasch die Kohlensäure raus, und giesse es in mein kleines Aquarium. Dort gammeln zwei Kampffische mit Schleierschwanz vor sich hin. Zwei Betta splendens.
Unter Bier werden sie munter. Ich liebe es, wenn sie ihre Rollen vorwärts machen und ihre Bestimmung völlig vergessen.

Ich beim Wein, das Bier bei die Fisch, und die Fisch schwimmen eine Immelmann-Rolle nach der anderen. Woher wissen die verfluchten Kampffisch, wie Max Immelmann seine berühmte Rolle geflogen hat? Genau in der 2-Uhr-Position drehen sie von Rücken- auf Bauchlage, diese …..ach, ich weiss auch nicht. Jetzt winkt auch noch einer mit der Brustflosse! Kann sein, ich halluziniere. Dieser Grüne Veltliner Samaragd hat es aber auch in sich ….. wo verdammt steht bloss mein Bett?