Trauben – Nuss – Rum?

Wir haben alle irgendwelche Schwächen.
Ich gestehe, dass ich bei Süßigkeiten schwach werde,
und dies auf fast peinliche Weise:

Vor diesem Bild habe ich volle 15 Minuten gesessen
und gesabbert wie ein Neufundländer-Rüde,
wenn er auf eine Hübsche trifft,
oder auf seinen Besitzer,
der sich albern „Herrchen“ nennt.
Es war unvermeidlich,
dass ich meine Lieblingssorte
gedanklich hinzufügte,
und in Phantasien schwelgte
wie ein geiler Bock
beim Anblick seiner Lieblingsziege.
Allerdings:
Vom ganzen Berg mag ich lediglich
meine dazu erfundene Sorte,
ein dünnes Täfelchen mit Beulen,
und in den Beulen ein Mikroschlückchen
na? Marillengeist!
Diese feinsinnige Köstlichkeit
gehört als Krönung
ganz nach oben auf den Berg
ordinärer Kakaoprodukte,
denen man auch noch komplette
Haselnuss-Ernten geopfert hat,
nur weil Haselnuss billiger ist
als Kakao-Bohne.
Dabei ist die Spitze der Scheusslichkeiten
im Schoko-Bereich
eine Schokolade, die zu 100%
aus Kakao besteht.
Hundert Prozent heisst
zu 99,5 % Kakao, und
zu 0,5 % Bindemittel.
Und K E I N Zucker!
Diese Schoko schmeckt
wie getrockneter Schlick aus der Elbe.
Ich habe ein Stückchen probiert,
ein Urteil gefällt,
und das Machwerk stückchenweise
in meinen Kaffeee geworfen.
Dort aufgelöst hat er einen Nutzen
voll entfaltet.

Eigentlich hatte ich nicht die Absicht, mich über Schokolade in epischer Breite auszulassen wie eine Speckschwarte in heisser Pfanne. Aber wie so oft ist mir das Thema einfach entglitten, aus der Hand gerutscht und voll umfänglich in meine Tastatur geklatscht. Dabei tue ich auch noch so, als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt als Schokolade – dennoch: Diese süsse Ware ist, wie ich aus früheren Jahren erinnere, Soul food vom Feinsten. Ich habe nach Kriegsende die ersten Schokoladen gegessen; sie hatten einen rosa Kern, den man Erdbeercreme nannte, und der nicht nach Erdbeere schmeckte, sondern nach BASF, der Ludwigshafener Badischen Aninin-und Soda-Fabrik.

Wer heute eine wirklich gute Schokolade essen möchte, sollte sich die Mühe machen, nach Produkten aus der Schweiz zu schauen. Dort sitzen noch Leute mit goldenen Händen und dem Ehrgeiz, Bestes zu leisten.